Happy New Year

Chinesen scheinen das Schmücken zu lieben. Je mehr, desto besser. Die Weihnachtszeit in unserer Wohnumgebung war von täglichen Überraschungen geprägt: Im Foyer unseres Hauses wurden Anfang Dezember große Schneekristalle aufgehängt und eine weihnachtliche Winterlandschaft aus Styropor und Plastik aufgestellt. Am nächsten Tag hingen ein paar Kugeln in den Bäumen des Parks. Dann wurde ein Lichterbaum aufs Rondell gebaut. Als nächstes standen an den Einfahrten auch noch Lichterbäume. Adventskränze ohne Kerzen hingen an manchen Shopfenstern und dann bekam auch noch jede zweite Parklaterne eine silberne Schleife. Ein paar Tage später umkreisten auf dem Rondell leuchtende Schwäne den Lichterbaum und Lichterketten hingen an der Steineinfassung. Die Straßenabsperrung erhielt ein neues Outfit mit einem künstlichen Schneewall, dessen Aushöhlungen von innen beleuchtet waren. Alle Straßenbäume wurden noch einige Tage vor Weihnachten mit Lichterketten üppig ausgestattet- im deutschen Radio hatte ich gehört, dass Millionen von Lichterketten aus China nicht durch den Zoll gekommen seien wegen mangelnder Sicherheit… und die Riesentransparente mit Merry Christmas durften auch nicht fehlen. Zum Schluss tanzten noch die Weihnachts- mit den Schneemännern über die Deckenleinwand von The Place.

An Sylvester hing und stand all das immer noch rum und wir überlegten, wie lang es wohl so bleiben möge. Nun, pünktlich am 7. Januar wurden die Adventskränze abgehängt und die Schneekristalle verschwanden aus dem Foyer und auch die Schneelandschaft. Stattdessen zogen Fische und Mäuse ein. An den Fenstern hängen sie, aus rotem Papier geschnitten, und weisen auf das Jahr der Maus, bzw. eigentlich Ratte, hin, das am 6. Februar beginnt. Die Fische verheißen Reichtum im neuen Jahr, die Farbe rot steht für Glück, das auch überall aufgeschrieben steht. Ja, und dann kam die Weihnachtsbaumalternative: rote Lampions mit Goldquasten, sehr schick und sehr groß, und die wunderbaren Knotengebilde und all die anderen Neujahrsüberraschungen. In den Geschäften gibt es rote Glückwunschkarten zu Neujahr und natürlich kleine rote Tüten, die man mit Geld füllen kann, als Neujahrsgeschenk. Denn Geschenke sind wichtig zu Neujahr! Wir müssen uns noch unbedingt schlau machen, ob wir und wem wir etwas zu schenken haben. Natürlich haben wir zu Weihnachten Geschenke verteilt.

Übrigens die Lichterketten und Kugeln hängen immer noch, nur die Transparente sind ausgewechselt: Happy New Year steht drauf, oder etwas sehr langes auf chinesisch, das ich nicht entziffern kann. Ich muss sicherlich nicht betonen, dass in total chinesischer Umgebung von Weihnachten nichts zu sehen war. Aber jetzt muss ich doch mal wieder nachsehen, ob das chinesische Neujahr überall seine Spuren legt. Seit gestern liegt Schnee – für die abergläubischen Chinesen bedeutet ein verschneitet Neujahr ein glückliches neues Jahr.

Chinesische Fahrkünste

Nach 3 Monaten kennt man seinen Fahrer und weiß auch, wie er fährt. Auch die Straßenregeln sind nicht mehr allzu unbekannt. Wenn man nicht im Stau stecken will, sollte man am besten nicht morgens zwischen 6-9 Uhr und nachmittags von 4-8 Uhr fahren. Während dieser Zeit gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit vorwärts zu kommen, nämlich jede Lücke ausnutzen, die irgendwie so breit ist, dass man gerade eben mit dem Auto reinpasst. Wenn dann auch noch Unmengen von Taxen und Bussen fahren, wird es ganz lustig. Da heißt es, nur ruhig bleiben.

Bei unserem Fahrer ist das allerdings nicht immer so ganz einfach, ruhig zu bleiben. Er macht so einige Dinge auf den Straßen, bei denen die deutsche Polizei die Krise kriegen würde. Zum Beispiel überholt er liebend gern rechts und fährt auf Fahrradwegen. Wobei man sagen muss, dass er da nicht der einzige Chinese ist. Doch das Beste kommt noch. Angenommen du stehst auf einer vollen Straße, willst gerade aus fahren und ganz weit hinten ist eine rote Ampel. Doch die Geradeausspur ist dicht. Aber auf der Linksabbiegerspur ist noch jede Menge Platz. Dann fährt unser Fahrer einfach erstmal geradeaus auf der Linksabbiegerspur, obwohl er ja eigentlich geradeaus fahren soll, und wenn er denkt, dass er nun weit genug vorne ist, drängelt er sich mit Gehupe in die Reihe und fährt ganz normal weiter. Damit hat man mal eben so 20 Autos überholt. Das lohnt sich schon. Meistens ist das schon ganz schön unverschämt. Doch Gott sei Dank, kann uns im Auto keiner sehen, da die Scheiben verdunkelt sind.

Luxus und Dekadenz

Der letzte Betriebsausflug mit den MitarbeiterInnen aus Essen hatte Haltern am See zum Ziel und eine Ausstellung im dortigen Römermuseum mit dem Titel „Luxus und Dekadenz“. Dass ich so schnell den heutigen Luxus und die dazugehörige Dekadenz im kommunistischen China erleben würde, hätte ich nicht gedacht.

Manches ist hier wirklich einfach nur noch dekadent. In dem Stadtgebiet Pekings, in dem wir wohnen, werden derzeit spektakuläre Hochhäuser gebaut und unzählige Bauarbeiter, wahrscheinlich auch sehr viele Wanderarbeiter, sind damit Tag und Nacht beschäftigt. Sie wohnen in Zelten oder Containern am Rande der Baustellen. Man sieht ihnen an, dass sie es nicht leicht haben in ihrem Leben. Mager, schmutzig, müde sehen sie aus.

In den bereits fertiggestellten Hochhäusern daneben aber herrscht der reinste Luxus. In den „China World“-Hochhäusern, die mit dem höchsten Haus Pekings gerade den dritten Komplex dazugestellt bekommen, kann man an Shops von Lagerfeld, Prada, Gucci, Dior, Chanel, Cartier etcpp vorbeiwandeln und sich fragen, wer das Zeug kaufen soll. Anscheinend gibt es aber Kundschaft, wenn ich auch keine gesehen habe.

Zu Sylvester war Klaus zu einem Abschiedsessen eingeladen – im „Goldenen Jaguar“, einem Büffet-Restaurant riesigen Ausmasses im obersten Stockwerk von „The Place“, dem Komplex mit der Riesendachleinwand. Hier kann man essen, was und so viel das Herz begehrt: chinesisch, japanisch, indisch, koreanisch, … und auch europäisch. Da liegen die Austern neben den Sushispezialitäten und warten darauf, ausgewählt zu werden. Sicherlich hundert Köche und Bedienpersonal erfüllen der Kundschaft alle Wünsche. Während draußen die Arbeiter den Henkelmann mit Reis gefüllt bekommen und so mancher Bettler um einen Kuai (= 10 Cent) bittet, häuft man sich hier zehn Austern, rohen Thunfisch in Mengen und mir völlig unbekannte Spezialitäten auf den großen Teller.

Ich frage mich immer wieder: wie schafft es eine Gesellschaft nur, diese Extreme auszuhalten und friedlich miteinander zu leben.

Aber bei unseren Besichtigungstouren sehen wir natürlich auch den Luxus der Kaiserzeit und auch damals gab es Arme („Arme werdet ihr immer bei euch haben“). Wir bestaunen die Relikte der Vergangenheit und wissen um den Lauf der Geschichte.

Wo führt der Luxus hin, den auch wir manchmal mitgenießen?

Eigentlich aber genießen wir vielmehr die heißen – leider manchmal auch schon lausig kalten – gerösteten Kastanien und das aufgespießte und kandierte Obst der Straßenverkäufer. Und die kleinen Shops in der sogenannten „Ladies-Street“, in denen die Verkäuferinnen keine Langeweile haben, weil sie mit den Kunden um die Preise feilschen und schnell mal etwas ausbessern, wenn ein Knopf abfällt oder so, sind uns tausendmal lieber als Armani und Co.

Geldautomaten (auch ATM genannt)

Was macht man in Deutschland, wenn man Bargeld benoetigt? Man geht zu einem Geldautomaten. Das Gleiche macht man in China, auch wenn die Maschinen hier ATM = Automatic Teller (=Bankangestellter) Machine heissen.

Und was bekommt man, wenn man in Deutschland am Bankautomaten alles richtig macht – Bargeld. Genauso in China – jedenfalls haeufig oder auch nur manchmal.

Unsere Erfahrungen mit Geldautomaten bzw. ATM’s sind sehr unterschiedlich. Manchmal funktionieren sie wie in Deutschland. Man schiebt seine Karte in den entsprechenden Schlitz, gibt die richtige Geheimnummer ein (die hier uebrigens 6-stellig ist) usw. und bekommt Bargeld.

Und die Menues der Geldautomaten sind alle zwei-sprachig: chinesisch und englisch. Das stellt also keine wirkliche Huerde dar.

Aber das ist nicht immer so. Haeufig bekommen wir eine Fehlermeldung, dass dieser Service zur Zeit nicht moeglich ist. Das kann man ja noch halbwegs verstehen, wenn es ein Automat einer fremden Bank ist. Aber wenn der Automat der eigenen Bank erst gar kein Menue zur Bargeld-Ausgabe anzeigt, wirkt das doch sehr merkwuerdig. In einer solchen Situation frage ich mich dann schon, ob es am Automaten oder an mir, d.h. meinem Konto liegt. Aber der naechste Automat (einer fremden Bank) spuckt dann doch wieder brav Bargeld aus.

Eher lustig war es zu hoeren, wie der Automat die Geldscheine zaehlt, dann noch einmal zaehlt, und noch einmal zaehlt und schliesslich eine Fehlermeldung anzeigt die sinngemaess lautet: Ich habe mich wiederholt verzaehlt und kann deshalb jetzt kein Geld ausgeben.

Es gibt hier viele Geldautomaten, das ist kein Problem. Aber unsere Erfahrungen lehren uns, nicht bis zum letzten Moment zu warten. Wer weiss, was sich der Automat diesmal einfallen laesst?

PS: Da ich mir einen neuen PC gekauft habe (worueber ich natuerlich auch berichten werde), habe ich jetzt keine Tastatur mit Umlauten mehr – ich hoffe die Texte bleiben trotzdem lesbar.

Essen und trinken

Im Chinesisch-Unterricht lernen wir zur Zeit, was man im Restaurant sagen muss, um Platz, Essen und hinterher eine Rechnung zu bekommen. Als nächstes werden wir die Essenszubereitung lernen. Lebensmittel einkaufen können wir auch schon. Dabei stellen die uns bekannten Gerichte und Lebensmittel nicht das große Problem dar, aber wie merkt man sich Vokabeln, zu denen man kein deutsches Pendant hat? Hier gibt es Obstsorten, die kennt man bei uns nicht. Sie sind auch nicht so lecker oder haltbar, dass sie exportiert werden könnten. Aber ihre Namen wollen einfach nicht in meinem Kopf bleiben. In Peking isst man gerne eine Art Teigkugel, in die entweder Fleisch oder Gemüse oder Obst oder eine Mischung aus manchem eingerollt ist. Diese Kugeln haben einen Durchmesser von ca 6 cm. Noch traue ich mich nicht recht ran, weil mir der Inhalt nicht deutlich ist. Ganz anders sah es da bei den wunderbaren Spießen aus, die auf den beiden neuen Fotos zu sehen sind. Seepferdchen, Sporpione und Maden waren zu deutlich zu erkennen, als dass mein Hunger mich zu solcher Speise hätte überreden können. Später hörte ich, dass in dieser „Fressgass“ neben Pekings Haupteinkaufsstraße tatsächlich auch Gerichte aus Schlange oder Hund zu bekommen sind.

Berühmt ist die Pekingente. Weil man in China üblicherweise nicht nur ein Gericht ist, gingen wir zu sechst in das Beijing Duck restaurant und begannen zu bestellen. Die Ente (kaoya) und ein Rindfleischgericht, kalten Fisch, grünes Gemüse, ein scharfes Schweinefleischgericht aus Sezuan und Schrimps. Es ist wichtig, die richtige Mischung aus verschiedenen Fleischsorten, warmen und kalten , scharfen und süßen, grünen und roten und hellen und dunklen Gerichten zusammenzustellen. Dazu ausnahmsweise Reis – den lässt man eher weg, weil er nur anzeigt, dass man von allem anderen nicht satt wird, aber er neutralisiert manchmal sehr gut. Die Pekingente wird nur mit ihren besten Teilen serviert, dabei sind knusprige Haut und gutes Fleisch voneinder getrennt. Man packt sich kleine Stückchen von beidem zusammen mit etwas Gemüse oder Rohkost in eine hauchdünne Teigtasche, die man mundgerecht zusammenfaltet und dann isst. Vom Rest der Ente wurde eine Suppe zubereitet, die man hier erst nach den festeren Speisen schlürft. Alle Gerichte werden auf eine sich drehende Mittelplatte gestellt und jeder kann sich mit seinen Stäbchen von allem nehmen. Die Schale Reis, ein kleiner Teller für eventuelle Abfälle und ein kleiner Teller zum Unterhalten stehen vor jedem, außerdem Tee, Jasmin oder Grüner oder…, ein Rotwein vom „Greatwall“ Jahrgang 96 oder älter, am Anfang noch eine warme Kompresse. Die Serviette bekommt man vom Ober auf den Schoß gelegt und auch ansonsten guckt immer mal wieder jemand vorbei, ob saubere Teller nötig sind oder sonst etwas gebraucht wird. Die Herren legen Jacken und Krawatten ab – sie könnten ja schmutzig werden, außerdem ist es recht warm im „separee“, denn der Chinese isst gern allein mit seinen Gästen. Es wird geschlürft und mit vollem Mund gesprochen und gelacht, geschmatzt und was nicht in den Magen soll, wird wieder ausgespuckt, so auch die Kerne der ganz kleinen Mandarinen, die hier mit Schale gegessen werden und fürchterlich viele Kerne haben. Auf sie kann ich gut verzichten, genauso wie auf manche andere Frucht, die doch mit wenig Geschmack oder manchmal auch mit sehr wenig Fruchtfleisch daherkommt. Das Obst gehört zum Nachtischmenu genauso wie die Rotbohnenpaste mit Schokoladenmasse etc. Satt wird man auf jeden Fall – auch wenn das eine oder andere Gericht nicht so ganz den eigenen Geschmack trifft. So konnte der Fisch mich nicht überzeugen, genauso wenig wie vor einigen Woche eine Qualle, die ich in Unkenntnis ihrer Identität anbiss und tatsächlich schnellstmöglich wieder aus meinem Mund entfernte. Sie gehört zu den sehr beliebten chinesischen Spezialitäten. Nicht zu meinen! Dagegen schmeckt allerdings manches sehr gut, was hier an den Straßenecken und Kiosken verkauft wird. Man sollte nur nicht unbedingt Fettgebratenes zu sich nehmen. Im Übrigen essen Chinesen dreimal täglich warm, sehr viele offensichtlich in Kantinen, Restaurants oder an der Straßenecke und nicht zuhause, das Essen ist sehr günstig zu bekommen, aber manchmal steckt halt auch ein Schweineohr oder ein Hühnerfuß im Gemüsetopf. Wir müssen also nicht nur die Worte, sondern auch die inhalte sehr genau lernen.

Nikolaus in Peking

Am ersten Adventsamstag hat mir der Nikolaus Nüsse geschenkt – mitten in Peking. Doch, er ist bis hierhin gekommen und sprach mit recht schwäbischen Akzent! Heute war er bestimmt in Deutschland, denn es war nichts drin in meinen Stiefeln. Schokolade kostet hier ja schon das Dreifache und an deutscher Schokolade habe ich bisher ausschließlich Ritter Sport gesehen, wie sollten da Schokoladennikoläuse etc. bis hierher gelangen. Nun – wir haben trotzdem welche gefunden ( Nikolaus sieht wie ein alter Chinese zu Pferde aus), ebenfalls am letzten Samstag, als wir beim Weihnachtsmarkt auf dem Gelände der Deutschen Botschaft mitarbeiteten. Dort gab es auch richtige Adventskränze, handgebunden und mit roten Kerzen bestückt, angeboten wurden VW-Currywurst und Siemens-Glühwein, Schwein am Spieß und Weissbier, Tchibokaffee und Brezeln…., der große Unterschied zum deutschen Weihnachtsmarkt war der abgezählte Einlass nur gegen Passvorlage.

Ja, ich hatte doch gedacht, in China kommt man um den Weihnachtsrummel herum, aber denkste! Auch hier gibt es mittlerweile weihnachtlich geschmückte Shoppingmalls und selbst im Beijing Friendship Store, das staatliche Geschäft für den Touristenbedarf, kann man Christbaumkugeln erstehen, wenn auch sehr chinesisch angehaucht. Aber das macht dann ja auch den besonderen Reiz aus. Ich vermute, dass der einfache Chinese nicht weiß, was das ganze soll.

Nebenan, bei „The Place“ haben sie unter die riesige Open-air-Bildschirmdecke eine Tannenbaumkonstruktion aus Bambusstangen und viel Plastikgrün erbaut, die nun mit Lichterketten und goldenen Kugeln ca 20 m hoch dem Wal entgegenleuchtet, der immer über die Decke schwimmt. Das muss man einfach gesehen haben! Jeden Abend stehen staunende Menschen dort, fotografieren und filmen um die Wette, weil es wirklich unglaublich ausschaut. Dazu gibt es nette Musik, leider aber wie überall auch eisige Temperaturen und heute noch manche heftige Windböe.

Ja, die Temperaturen sind mittlerweile unter die Null Grad Grenze gefallen, es ist staubtrocken, die Sonne scheint täglich kräftig und der Wind nimmt zu. Ohne Schal aus dem Haus zu gehen ist fatal, denn dann kann man sich Mund und Nase nicht gescheit zuhalten, und das tut not. Deshalb laufen und radeln so viele Chinesen mit Mundschutz rum. Sieht zwar doof aus, ist aber praktisch! Mir hat es heute die schwere Schultasche von der Schulter geweht und dem Lastradfahrer neben mir wehten die großen 15 Liter Wasserbehälter vom Rad. -Ich weiß, der kommt euch seltsam vor, aber der gehört zu einem anderen Thema.- Das wirklich unangenehme bei diesen Windböen ist der Sand, den sie mit sich führen. Direkt aus der Wüste Gobi gelangt er so im Winter nach Peking und findet durch alle Ritzen hindurch in den Mund und die Augen und die Autos und die Wohnungen …Da wäre Schnee eine schöne Abwechslung, aber den soll es hier nur sehr selten geben, auch Glatteis findet man nur da, wo Putzwasser vergossen wurde.

Feuchter ist es dafür auf der Südhalbkugel. Klaus ist gestern in den australischen Sommer geflogen und hat in Sidney nasse Füße bekommen, weil es fürchterlich geregnet hat – bei angenehmen Temperaturen. Da weiß ich auch nicht, was besser ist: eisiger Sandsturm oder heißer Wolkenbruch. Vielleicht ein warmer deutscher Dezember?

Kohlen zum Frühstück ?

Vor einigen Tagen musste ich beruflich nach Taipei in Taiwan, schließlich bin in meiner Funktion verantwortlich für „Greater China“, also auch für Hong Kong und Taiwan.

Auf dem Rückflug ist mir dann folgendes widerfahren. Da ich frühmorgens unterwegs war, wurde mir im Flugzeug ein Frühstück serviert. Das war noch ganz normal. Etwas ungläubig geschaut habe ich allerdings, als mir neben normalen Brötchen etwas angeboten wurde, was wie große glänzende Kohlen aussah. Schön rund und glatt zwar, aber eben tiefschwarz glänzend. Auf meine Frage, was das denn sei, erläuterte mir die Stewardess das seien eine Art Gesundheitsbrötchen, lecker gefüllt. Auf meine Frage, ob es denn sehr süß sein (was ich nicht mag), hieß es, nur ein wenig.

Da ich ja nun unter anderem nach China gegangen bin, um Neues kennzulernen, ließ ich mich auf das Abenteuer ein und nahm eines dieser Gesundheitsbrötchen. Das erwies sich als gute und schmackhafte Entscheidung. Das Brötchen schmeckte wie ein normales weiches Brötchen oder Teilchen und die Füllung war eine leckere Creme. Von der schwarzen Farbe merkte ich geschmacklich nichts.

Aber offensichtlich hatte ich mit meinem „Mut“ nun bei der Stewardess einen Stein im Brett. Nachdem sie das Frühstück fertig serviert hatte, kam sie zurück zu mir, kniete sich vor mir nieder, um gleiche Kopfhöhe zu haben, und erklärte mir nun ausführlich, was ich da gegessen hatte. Die schwarze Farbe kommt von einer besonderen Asche, der eben gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird. Und das Brötchen wird traditionell vor der Arbeit gegessen, damit man diese gut bewältigen kann. Aber auch im weiteren Flug wurde ich von Ihr mehr als zuvorkommend behandelt.

Manchmal zahlt sich etwas „Mut“ doch aus. Und beim nächsten Mal werde ich bestimmt nicht zögern zuzugreifen, wenn mir wieder „Kohlen“ zum Frühstück angeboten werden.

shouji (chin. Handy) – 2. Teil

Nachdem ich es mit einiger Mühe geschafft hatte zwei Handys in Gebrauch zu nehmen war die Telefonwelt ja erst mal in Ordnung (siehe auch den ersten Beitrag dazu).

Aber nach einiger Zeit fühlte ich mich etwas unwohl mit der Tatsache, dass mein Handy durch keine persönliche PIN gesichert war. Als ich mich mal wieder auf einem Flughafen langweilte, sah ich das als gute Gelegenheit, eine PIN in meinem Handy zu definieren. Also in das entsprechende Menu des Handys gesprungen, um eine neue PIN einzugeben. Zu meiner Überraschung sollte ich dafür aber die bisherige PIN eingeben. Ich hatte aber mit meiner SIM Karte keinen Umschlag mit einer PIN oder PUK (das sind die beiden Geheimzahlen beim Handy) bekommen. Da in Deutschland die meisten Handys mit der Voreinstellung 0000 ausgeliefert werden, habe ich es natürlich erst einmal damit versucht. Kein Erfolg – kann doch gar nicht sein! – also gleich noch mal: – wieder nichts – vielleicht 9999 – wieder kein Erfolg – und dann die Meldung: Sie haben drei mal eine falsche PIN eingegeben, bitte geben Sie die PUK ein. Die hatte ich aber auch nicht. Aber ich wollte mein Handy doch wieder benutzen, also mehrere Kombinationen wie 0000, 9999 oder 1234 ausprobiert. Mit dem „Erfolg“, dass irgendwann gar nichts mehr ging, und das Display den netten Text zeigte: „Ihre SIM Karte wurde abgewiesen.“

Mein mühsam in Betrieb genommenes Handy war erst mal nicht mehr benutzbar.

Als erstes hatte mein armer Fahrer unter dieser Tatsache zu leiden. Er sollte mich in Beijing vom Flughafen abholen, aber irgendwie haben wir uns verpasst. Da mein Handy ja nicht erreichbar war, ging er davon aus, dass ich noch im Flugzeug bin und das Handy deswegen ausgeschaltet ist. Er hat wohl mehrere Stunden auf mich gewartet.

In der Firma war die Freude natürlich auch groß. Nach einigen Tagen (in denen ich mal wieder auf meinen Pass wartete – aber das ist ein Thema für einen weiteren Beitrag) machte sich der freundliche Kollege wieder mit mir und dem Handy auf zu China Mobile.

Aber entgegen meiner Erwartung war diesmal alles ganz einfach. Die SIM Karte war durch meine Versuche zerstört worden, was beabsichtigt ist, damit Diebe diese nicht benutzen können. Nachdem ich mit dem Pass belegen konnte, dass ich der rechtmäßige Besitzer bin, konnte ich für umgerechnet zwei Euro eine neue SIM Karte bekommen. Und das Formular, das ich unterschreiben musste, war diesmal zweisprachig: Chinesisch und Englisch! Nach etwa 20 Minuten war mein Handy wieder benutzbar und damit meine Telefonwelt wieder in Ordnung.

Da wir ja gerade wieder bei China Mobile waren, fragte ich wieder nach einer SIM Karte, mit der man nur in China telefonieren kann (für Charlotte). Wieder war das in dieser Filiale nicht möglich. Aber diesmal machte sich der Kollege mit mir auf zu einer anderen Filiale von China Mobile.

Und wieder gab es eine positive Überraschung. Nach kurzer Wartezeit waren wir an der Reihe, ein Formular wurde ausgefüllt, umgerechnet 15 Euro bezahlt (davon 10 Euro als Telefonguthaben) und wir hatten eine prepaid SIM Karte. Und es gab eine kleine Broschüre (wieder in Chinesisch und Englisch ! ) in der erklärt wird, wie man ein Guthaben auf das Handy laden kann.

Damit ist nun auch Charlotte telefon-technisch wieder komplett ausgestattet.

Ich bin ja mal gespannt, ob es Anlaß für einen dritten Beitrag zu diesem Thema geben wird.

Menschliche Bedürfnisse

Einen wunderschönen Tag verbrachten wir an zwei heiligen Orten. Zunächst waren wir in der Erinnerungsstätte für Konfuzius, der von manchen Menschen mindestens als großer Weiser, wenn nicht wie ein Halbgott verehrt wird. Eine klassische Anlage mit tempelähnlichen Hallen bietet die Möglichkeit, das Leben und Wirken des Konfuzius zu studieren und dabei auch noch Musik, live gespielt auf alten chinesischen Instrumenten, zu hören. All das bei schönstem Wetter im Spätherbst. Gleich nebenan ist auch noch die alte Akademie zu bewundern, ein ehemaliger Palast, der aus Traditionsgründen zu einer Akademie umgewandelt wurde. Danach spazierten wir durch eine schmale Allee zum Lamatempel, vorbei an zahlreichen kleinen Geschäften mit Räucherstäbchen ohne Ende und Buddhafiguren in allen Varianten. Die Geschäfte bilden die Außenfront eines großen Hutongs, das sind die alten Wohnanlagen Pekings, die leider zur Zeit zuhauf abgerissen werden. Wir bekommen Sighseeinghilfen, Rikschas, Ansichtskarten – an sich schwer zu finden – angeboten und müssen uns ständig der sehr aufdringlichen Händler erwehren, doch der Weg ist nicht weit und der Tempel schnell erreicht. Für ein kleines Entgelt werden wir in die Tempelanlage eingelassen und – wir hätten es uns ja denken können – stehen in Rauchschwaden. Ein guter Buddhist, und hier gibt es davon viele, opfert seinem Buddha, Gott sei Dank im Freien (da könnte ich sogar Weihrauch vertragen). Jede Tempelhalle besitzt also vor dem Eingang mindestens ein großes Räuchergefäß, zudem gibt es Gebetsrollen und im Inneren jeder Halle die verschiedenen, wirklich sehr verschiedenen Buddhafiguren. Einen sehr dicken sehr lachenden Buddha, ausgesprochen erhabene Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und einen Buddha, bei dem ausnahmsweise das Fotographieren nicht verboten war, der sechs Meter groß war. Da ist mein Versuch, Charlie und Buddha auf ein Bild zu bekommen gründlich misslungen. Ihre Mütze ( chin: maozi) am unteren Bildrand korrespondiert mit dem Bauchnabel des Buddha am oberen Bildrand.

Nun aber reizten uns doch die Kioske mit ihren Getränken etc. und wir setzten uns mit ganz unbuddhistischer kele (= Cola) auf eine Bank in die Sonne, wohl wissend, dass wir bald nach Hause fahren würden. Denn trinken ist gefährlich, weil die Toilettenfrage hier ein Problem darstellt. Im Allgemeinen wünsche ich mir ja nicht Mann zu sein, aber wenn man mal eben aufs Klo muss, wäre das hier doch sehr von Vorteil. Bei Tempelanlagen sind wir vorgewarnt, die Verbotene Stadt war ein lehrreicher Versuch. Aber auch heute, in der Haupteinkaufsstraße Pekings hatten wir wieder ähnliche Probleme.

Wir dachten: Maidanglao wird uns retten, aber von wegen, der erste McDonald hatte keine Toiletten, da er in eine Mall integriert war und diese gerade eröffnete feinste Einkaufsmall glänzte mit vielen leider chinesischen Toiletten. Wir zogen unverrichteter Dinge ab. Bis zur nächsten Mall, sehr amerikanisch aufgemacht, so erhofften wir einen gewissen Standart, aber weit gefehlt, wieder das gleiche: Loch an Loch, nicht sehr sauber, gar nicht einladend und ein Balanceakt, den wir nicht durchzuführen gewillt waren, wäre vonnöten gewesen, hinter Türen, die mehr preisgeben als verschließen..

Ein McDonald blieb uns noch. Ein Versuch war’s auf jeden Fall wert. Auf der Damentoilette warteten mehrere Chinesinnen, aber eine Tür stand offen. Also guckten wir hinein und siehe da: eine normale Toilette mit allem Komfort. Die wird von Chinesinnen keines Blickes gewürdigt, wir aber konnten unsere menschlichen Bedürfnisse befriedigen. Manchmal ist chinesisch doch sehr unverständlich und schwierig – dabei hat es dann noch nicht mal mit sprechen oder essen zu tun.

Suchbild im Aufzug?

Ja, habt ihr denn nichts anderes zu zeigen als Fotos im Aufzug? Die Frage scheint berechtigt, und wir sind auch schon dabei, eine Ansichtskartenserie für SightseeingfreundInnen zusammenzustellen, aber das Foto soll eigentlich nur Überleitung zur Frage sein: wo wohnt ihr denn nun in diesem Hochhaus? Tja, wer genau hingeguckt hat ins Liftfoto, konnte erkennen, das bestimmte Stockwerke einfach fehlen. Das 13. fehlt – westliche Unglückszahl – da will ja doch keiner wohnen. das 4., 14., 24. und 34. Stockwerk fehlen, denn die 4 heißt auf chinesisch genauso wie der Tod, – da will auch keiner wohnen. Und so wohnen wir, ich hab es auch von außen überprüft, nicht im 19. sondern nur im 15. Stockwerk. Aber das reicht auch für den großzügigen Überblick.

Wegen dieser Todeszahl 4 scheint es auch zumeist Hochhäuser mit weniger als 40 Etagen, bzw. um die 35 tatsächliche Stockwerke hier zu geben. Unsere Telefonnummern sind natürlich auch frei von vieren, unser Autokennzeichen auch. Nur die armen Taxifahrer haben meist mindestens eine 4 im Kennzeichen. Ja, und wenn es ein Zahlenvergeber besonders gut mit einem meint, dann bekommt man viele sechsen, siebenen und achten, denn das sind die Glückszahlen in China – nun, vielleicht helfen die ja beim Knacken des Jackpots im deutschen Lottoblock.

Übrigens, von wegen der Beschwerde über die wenigen Fotos: ich höre immer, so viele Menschen würden diesen Blog lesen, ja, wo bleiben denn dann die Kommentare? Irgendwie kommen die schon über, versucht es doch mal!

Heute Nachmittag pilgern wir bei schönstem Sonnenschein zum Konfuzius-Schrein. Da gibt es bestimmt Bildmotive.