Komm!

Lukas 5, 27-32

Danach verließ Jesus das Haus. Da sah er einen Zolleinnehmer mit Namen Levi. Der saß an seiner Zollstation. Jesus sagte zu ihm: »Komm, folge mir!« Da ließ Levi alles zurück, stand auf und folgte ihm. Später gab Levi in seinem Haus ein großes Festessen für Jesus. Viele Zolleinnehmer und andere Gäste aßen mit ihnen. Da beschwerten sich die Pharisäer und die Schriftgelehrten unter ihnen bei den Jüngern von Jesus: »Warum esst und trinkt ihr mit Zolleinnehmern und schuldbeladenen Menschen?« Jesus gab ihnen zur Antwort: »Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um die Gerechten zur Umkehr zu rufen, sondern die Menschen, die voller Schuld sind. Sie sollen zu Gott umkehren.«

Anmerkungen:

Bis vor einem Jahr musste ich den Kindern bei solchen Geschichten erklären, was ein Zöllner zu tun hat. Welches Kind kannte noch Grenzen und Zollschranken? Doch Corona macht Grenzen wieder sichtbar. Große Festessen sind in diesen Tagen eher eine unbekannte Größe. Und dass die Kranken die ärztliche Versorgung benötigen und bekommen, ist uns ganz besonders wichtig, hoffen wir doch auf Gesundung möglichst vieler Covid-19 Erkrankter.
Jesus kümmert sich um die Menschen, die seine Hilfe brauchen. Er geht zu ihnen, hat keine Berührungsängste, grenzt nicht aus.
Vieles dürfen wir momentan nicht tun. Aber wir können zeigen, dass die Toten und Erkrankten für uns keine Zahlen sondern Mitmenschen sind. Morgen zünden wir für sie Kerzen an und beten für sie und die um sie Trauernden.

Barmherziger Gott,
wir klagen über die vielen, vielen Menschen, die an Covid-19 gestorben sind.
Sie fehlen in ihren Familien, in ihren Freundeskreisen.
Sie mussten oft einsam sterben, auf Intensivstationen, vielleicht nach künstlichem Koma.
Wir denken an die Menschen, die gestorben sind.

Wir klagen dir das Leid der Trauernden und Hinterbliebenen.
Sie konnten nicht Abschied nehmen, wie sie wollten.
Wir dürfen sie nicht tröstend in den Arm nehmen.
Wir beten für sie und mit ihnen. Nimm dich ihrer an.

Wir denken an die Menschen, die schwer erkrankt sind.
Wir denken an die Menschen im künstlichen Koma und an den Beatmungsmaschinen.
Isoliert und einsam
Wir denken an die, die Angst haben, vor dem was kommt.
Wir bringen unsere Klagen vor dich.

Du willst, dass wir Menschen leben.
Wir hoffen, weil Du uns Menschen liebst.
Eile, guter Gott, komm, um zu helfen.
Amen

Den Toten ein Gesicht geben – Kerzenaktion am 17.1.2021 ab 16.00 Uhr vor dem Gustav-Adolf Haus.

Sieh hin!

Lukas 5, 17-26

Einmal in diesen Tagen, als Jesus lehrte, saßen unter den Zuhörern auch Pharisäer und Schriftgelehrte. Aus allen Dörfern in Galiläa und Judäa und auch aus Jerusalem waren sie gekommen. Und die Kraft des Herrn war mit Jesus, sodass er Kranke heilte. Und sieh doch: Da brachten Männer einen Gelähmten auf einer Trage herbei. Sie wollten ihn in das Haus bringen und vor Jesus niederlegen. Aber wegen der Volksmenge fanden sie keine Möglichkeit, ihn hineinzutragen. Deshalb stiegen sie auf das Dach. Sie deckten einige Ziegel ab und ließen den Gelähmten auf der Trage hinunter – mitten in den Raum, genau vor Jesus. Jesus sah, wie groß ihr Glaube war, und sagte: »Du Mensch, deine Schuld ist dir vergeben.« Da überlegten die Schriftgelehrten und Pharisäer: »Wer ist das eigentlich? Was er da sagt, ist Gotteslästerung! Nur Gott allein kann Schuld vergeben.« Doch Jesus wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: »Warum habt ihr solche Gedanken? Was ist einfacher? Zu sagen: ›Deine Schuld ist dir vergeben‹, oder zu sagen: ›Steh auf und geh umher‹? Aber ihr sollt sehen, dass der Menschensohn von Gott die Vollmacht hat, hier auf der Erde den Menschen ihre Schuld zu vergeben.« Deshalb sagte er zu dem Gelähmten: »Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Trage und geh nach Hause.« Sofort stand er auf. Alle sahen es. Er nahm seine Trage und ging nach Hause. Dabei lobte er Gott. Alle Anwesenden gerieten außer sich. Auch sie lobten Gott. Furcht erfüllte sie und sie sagten: »Was für unglaubliche Dinge haben wir heute gesehen!«

Anmerkungen

Eine Lieblingsgeschichte für den Kindergarten oder Kindergottesdienst. Das hat mit dem „und siehe doch“ zu tun. Anschaulich ist das, was hier geschieht. Das Haus ist voll, Freunde helfen einem Erkrankten. Sie decken ein Dach ab! Und lassen die Trage – wackelig und gewagt – herunter, direkt vor Jesus. Welche Freude, das nachzuspielen oder zu malen.
Und was für eine Geschichte für Erwachsene, für Zweifler. Geballt sind sie anwesend, anscheinend verabredet, diesem neuen Prediger auf den Zahn zu fühlen, die jüdischen Gelehrten, die wir als Schriftgelehrte und Pharisäer bezeichnen.
Ausdrücklich wird von Lukas darauf hingewiesen, dass Jesus nicht aus eigener Kraft sondern mit Gottes Kraft heilt.
Und dann schreibt er, dass Jesus den großen Glauben der Männer erkannte und dem Erkrankten dann die Vergebung seiner Schuld zusprach.
Das hat er doch wegen genau dieser Gelehrten getan – klug wie er war, ihnen nicht in die Falle zu gehen sondern sie vorzuführen.
Ihr Vorwurf: Gotteslästerung! Mit der Heilung des gelähmten Mannes beweist Jesus ihnen, dass er von Gott die Kraft bekommt, zu heilen und eben auch Schuld zu vergeben.
Keine Anklagen werden noch laut, nur Staunen und Bewunderung. »Was für unglaubliche Dinge haben wir heute gesehen!« Anschaulichkeit ist doch etwas ganz besonderes!

Lebenslange Quarantäne

Lukas 5, 12-16

Einmal war Jesus in einer der Städte. Sieh doch: Dort traf er einen Mann, der am ganzen Körper Aussatz hatte. Als der Jesus sah, warf er sich vor ihm nieder und bat ihn: »Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen!« Da streckte Jesus die Hand aus, berührte ihn und sagte: »Ich will! Sei rein!« Im selben Augenblick verschwand der Aussatz bei dem Mann. Jesus befahl ihm: »Erzähle niemandem davon. Geh, zeige dich dem Priester und bring die Opfer, um deine Reinheit wiederherzustellen – wie Mose es vorgeschrieben hat. So sollen alle erfahren, dass du geheilt worden bist.« Darauf verbreitete sich die Nachricht von Jesus noch weiter. Die Leute strömten in Scharen herbei, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Aber Jesus zog sich immer wieder in einsame Gegenden zurück und betete dort.

Anmerkungen:

Aussatz ist eine Krankheit, die zur totalen Isolation führt. Lebenslange Quarantäne. Denn sie ist ansteckend. Jesus hätte ihn – entrüstet – wegschicken können. Viel zu gefährlich! Doch Jesus streckt die Hand aus, berührt den Unberührbaren. Jesus ist berührt von dem, was der Erkrankte zu ihm gesagt hat: Wenn du willst, kannst du mich heilen. Und Jesu antwortet: Ich will! – klingt wie die Antwort auf einen Heiratsantrag. Wieviele Menschen warten auf den, der sie gesund macht! Und wieviele Menschen wollen andere gesund machen! Doch es ist leider nicht mit vier Worten getan. Aber Das Vertrauen in den Arzt/die Ärztin und der wirkliche Wunsch nach Heilung sind gewiss Voraussetzung, um gegen eine Erkrankung anzugehen.

Mir fällt zudem auf, dass Jesus nicht alle herbeiruft: Lasst euch heilen, sondern ganz im Gegenteil den Geheilten bittet, es nicht allen zu erzählen, keine Werbung für ihn zu machen, sich nur den Priestern zu zeigen, und sich selbst zurückzieht in die Einsamkeit.

Übrigens:

in einer Woche erscheint die Basisbibel in vollständiger Ausgabe. Dann werde ich auf die Zitierung des Bibeltextes verzichten und nur noch die Stellenangabe notieren. Die neue Basisbibel ist auch bei unserem Büchertischteam zu bekommen.

Von Fischen und Menschen

Lukas 5, 1-11

Einmal drängte sich die Volksmenge um Jesus und wollte hören, wie er Gottes Wort verkündete. Jesus stand am See Gennesaret. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und reinigten die Netze. Jesus stieg in eines der Boote, das Simon gehörte. Er bat Simon, ein Stück vom Ufer wegzufahren. Dann setzte er sich und sprach vom Boot aus zu den Leuten. Als Jesus seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: »Fahre hinaus in tieferes Wasser! Dort sollt ihr eure Netze zum Fang auswerfen!« Simon antwortete: »Meister, wir haben die ganze Nacht hart gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen.« Simon und seine Leute warfen die Netze aus. Sie fingen so viele Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Sie winkten die Fischer im anderen Boot herbei. Sie sollten kommen und ihnen helfen. Zusammen beluden sie beide Boote, bis sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er vor Jesus auf die Knie und sagte: »Herr, geh fort von mir! Ich bin ein Mensch, der voller Schuld ist!« Denn Schrecken ergriff ihn und die anderen, die dabei waren, weil sie einen so gewaltigen Fang gemacht hatten. So ging es auch Jakobus und Johannes, den Söhnen von Zebedäus. Sie arbeiteten eng mit Simon zusammen. Da sagte Jesus zu Simon: »Hab keine Angst! Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein!« Da zogen sie die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten Jesus.

Anmerkungen
Die Menschen laufen in Scharen zu ihm, um ihn zu hören. Er flüchtet schon auf ein Boot, um sie auf Abstand zu halten oder damit er zum Reden den nötigen Freiraum hat? Aber der Inhalt seiner Predigten, die besondere Art zu predigen, wird nicht genauer dargestellt. Ja, er tut Wunder, hier wieder, und Wunder sind natürlich etwas Spektakuläres, dass die Menschenmassen anzieht. Aber es wird ja explizit davon gesprochen, dass sie ihn „hören“ wollen. Was er zu sagen hat, wird bislang nur mit „die gute Nachricht vom Reich Gottes“ benannt und wir wissen von Jesu Ausspruch: „Das ist mein Auftrag: Den Armen soll ich die Gute Nachricht bringen. Den Gefangenen soll ich ankündigen, dass sie frei werden, und den Blinden, dass sie sehen werden. Den Unterdrückten soll ich die Freiheit bringen. Ich soll verkünden: Jetzt beginnt das Jahr, in dem der Herr Gnade schenkt.
Das Wunder ist diesmal keine Heilung, sondern ein großer Fischzug, ein Wunder gegen Armut und Hunger. Doch Simon zeigt sich nicht einfach dankbar, er meint, dass er dies alles nicht verdient hat. Seinen Satz könnte man sogar als Warnung verstehen: Du hast dir den Falschen ausgesucht. Geh weg! Jesus antwortet, nicht unbedingt folgerichtig. Hab keine Angst! Und es folgt noch der Höhepunkt aller Ansagen: Du wirst Menschenfischer – eigentlich heißt es sogar – richtig übersetzt – Menschenfänger. Damit hat Jesus ihn eingefangen, den Simon, und die Brüder Jakobus und Johannes gleich mit. Was aus dem Fang wird, mit den Booten geschieht, aus den Familien wird – kein Wort von Lukas zu dieser Situation.

Empörend!

Lukas 4, 38 -44

Jesus verließ die Synagoge und ging in das Haus von Simon. Aber Simons Schwiegermutter hatte hohes Fieber. Sie baten Jesus, ihr zu helfen. Jesus beugte sich über sie und bedrohte das Fieber. Da verließ es sie. Sofort stand sie auf und brachte ihnen etwas zu essen. Als die Sonne untergegangen war, brachten die Leute alle Kranken zu Jesus. Sie litten an den unterschiedlichsten Krankheiten. Aber Jesus legte jedem von ihnen die Hände auf und heilte sie. Aus vielen Kranken fuhren Dämonen aus. Dabei schrien sie laut und riefen: »Du bist der Sohn Gottes!« Jesus bedrohte sie und ließ sie nicht zu Wort kommen. Denn sie wussten, dass er der Christus war.
Bei Tagesanbruch verließ Jesus Kafarnaum und ging an einen einsamen Ort. Die Leute suchten ihn, bis sie ihn fanden. Sie wollten ihn daran hindern, von ihnen wegzugehen. Da sagte Jesus zu ihnen: »Ich muss auch den anderen Städten die Gute Nachricht vom Reich Gottes verkünden. Denn dazu hat Gott mich gesandt.« Und er verkündete die Gute Nachricht in den Synagogen überall in Judäa.

Anmerkungen

Vor vielen Jahren hat mich diese Geschichte wirklich empört. An ihr ist mir nämlich aufgefallen, was da eigentlich passiert ist, als Jesus seine Jünger zur Nachfolge sammelte. Hier wird ganz freundlich erzählt, wie Jesus die Schwiegermutter von Simon, der dann etwas später erster Jünger wird, heilt. Das heißt doch: Simon war verheiratet, hatte Familie und zu der damaligen Zeit war er dann auch der Versorger der Familie. Um Jesus nachzufolgen, verließen die Jünger nicht nur ihre Berufe, nein, auch ihre Familien, ließen sie unversorgt zurück, ließen ihre Frauen allein mit ihren Kindern. Die geheilte Schwiegermutter bringt Essen herbei für Jesus. Ob sie das später auch noch tat, bzw. tun konnte?

Befreiung

Lukas 4, 31-37

Jesus zog hinunter nach Kafarnaum, einer Stadt in Galiläa. Am Sabbat lehrte er immer in der Synagoge. Die Zuhörer waren von seiner Lehre tief beeindruckt, denn in seinen Worten erkannten sie Gottes Macht. In der Synagoge war ein Mann, der von einem Geist beherrscht wurde – einem unreinen Dämon. Der schrie laut auf: »He! Was willst du von uns, Jesus aus Nazaret? Bist du gekommen, um uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: Du bist der Heilige Gottes.« Jesus befahl dem Dämon streng: »Sei still! Gib den Mann frei!« Da schleuderte der Dämon den Mann mitten in die Synagoge. Dann ließ er ihn frei, ohne ihm Schaden zuzufügen. Alle erschraken und fragten sich gegenseitig: »Welche Vollmacht und Kraft hat sein Wort? Er gibt den bösen Geistern einen Befehl und sie fliehen!« Die Berichte über Jesus verbreiteten sich überall in der Gegend.

Anmerkungen

Nun also zieht Jesus nach Kafarnaum, am Nordufer des See Genezareth. Es klingt nicht so, als kehre er zurück in einen Ort, in dem er bereits einmal war. Allerdings wird angenommen, dass Jesus länger in Kafarnaum wohnte – weil sie ihn in Nazaret ablehnten? Auch hier predigt er am Sabbat, also am siebten Tag der Woche, an dem Ruhetag und Gottesdienst war. Jesus beeindruckt die Zuhörenden mit seiner Art der Auslegung. Und es geschieht die erste Heilung: ein Mann erfährt durch Jesus Befreiung. Befreiung von einer Besessenheit, in der Bibel heißt es: von einem Dämon, einem bösen Geist. Lukas erzählt, wie der Geist sich von Jesus angegriffen fühlt und tatsächlich von dem Mann ablässt. Dieser kommt unbeschadet aus dem Geschehen heraus. Ich denke an Teufelsaustreibungen und sehe rot – das ist nichts für mich, tiefstes Mittelalter.
Doch Menschen brauchen Befreiung aus Psychosen, Angstneurosen etc.. Da denke ich an Begegnungen mit Kolleginnen, die in psychiatrischen Abteilungen als Krankenhausseelsorgerinnen Dienst tun. Wie viel besondere Ausbildung ist nötig, um hier helfen zu können! Doch auch in meinem Seelsorgedienst spreche ich mit Menschen, die Befreiung suchen. Jesus weist uns mit seinem Tun auf sie hin und auf ihre Bedürftigkeit.
Heilungen, Wunder bringen Jesus mehr ins Gespräch als seine Predigten. Die Menschen ändern sich nicht, sie fordern Sensationen, nur das Außergewöhnliche findet Beachtung. Das Alltägliche ist unspektakulär und wird nicht beachtet.

Keine Meisterleistung

Lukas 4, 22-30

Alle spendeten ihm Beifall. Sie staunten über die Botschaft von der Gnade, die er verkündete. Doch dann sagten sie: »Ist das nicht der Sohn Josefs?« Jesus antwortete ihnen: »Sicher werdet ihr mir jetzt das Sprichwort vorhalten: ›Arzt, hilf dir selbst! Wir haben von den großen Taten gehört, die du in Kafarnaum vollbracht hast. Vollbringe solche Wunder auch hier in deiner Heimatstadt!‹« Weiter sagte er: »Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimatstadt anerkannt! Ich sage euch, wie es ist: Zur Zeit Elijas gab es viele Witwen in Israel – damals, als es drei Jahre und sechs Monate nicht regnete. Große Hungersnot herrschte im ganzen Land. Trotzdem wurde Elija zu keiner von ihnen geschickt, sondern nur zu einer Witwe in Sarepta im Gebiet von Sidon. Und zur Zeit des Propheten Elischa gab es viele Aussätzige in Israel. Aber Elischa hat keinen von ihnen geheilt, sondern nur den Syrer Naaman.« Alle in der Synagoge gerieten in Wut, als sie das hörten. Sie sprangen auf und trieben Jesus aus Nazaret hinaus – bis an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war. Dort wollten sie ihn hinunterstürzen. Aber Jesus ging mitten durch die Menge hindurch und zog weiter.

Anmerkungen

Zunächst sind alle begeistert, tolle Auslegung! Gnade. Jetzt. Das sind doch mal gute Nachrichten.Doch dann schauen sie sich den Überbringer genauer an. Den kennen sie doch, Josefs Sohn, einer von uns. 

Und jetzt wird’s komisch. Verstehen Sie, was das Sprichwort an dieser Stelle soll? Ich verstehe es nicht.

Auch habe ich bislang noch nichts von irgendwelchen großen Taten Jesu in Kapernaum/ Kafarnaum gelesen.

An dieser Stelle wird mehr als deutlich, dass Lukas die Berichte über Jesu Wirken aus dem Markus- und Matthäusevangelium übernommen hat und neu sortierte, sodass er nun in diesem Satz auf Ereignisse verweist, die in seinem Evangelium erst danach berichtet werden, in den anderen beiden aber vor dem Ereignis in Nazareth stehen. So erzählt Markus erst zu Anfang des 6. Kapitels darüber, Matthäus sogar erst am Ende des 13. Kapitels. Da sind bereits zahlreiche Wunder und Heilungen geschehen.

Dass der Prophet in der Heimatstadt nicht anerkannt wird, das ist für mich, in einer Kleinstadt geboren und erwachsen geworden, nachvollziehbar. Hier wächst man nicht anonym auf, sondern ist mit all dem familiären Hintergrund bei vielen Menschen bekannt.

Damals hieß das im Fall Jesus aus Nazareth: der Sohn des Zimmermanns – ein Zimmermann, kein Arzt, kein Prophet. Deshalb würde doch „Schuster bleib bei deinen Leisten“ eher passen als „Arzt hilf dir selbst!“

Lukas begründet mit Jesu Worten über Elija und Elischa die Wut der Nazarether Zuhörer. Sie wollen ihm nicht nur nicht glauben, wie es die beiden anderen Evangelisten schildern, sondern ihn sogar töten. Jesus aber kann einfach weg- und weitergehen. In diesem friedlichen Abgang hilft er sich selbst.

Ich würde sagen, dieser Abschnit ist nicht gerade eine Meisterleistung des Evangelisten Lukas. (von dem manche meinen, er sei selber Arzt gewesen.)

Apropos „Meisterleistung“: meine Anmerkungen sind nur Anregung zum eigenen Nach- und Weiterdenken, es sind Gedanken während des Lesens.

Los geht’s!

Lukas 4, 14-21

Jesus war erfüllt von der Kraft des Geistes. So kehrte er nach Galiläa zurück. Sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend.

Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen verehrt. Jesus kam auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war. Am Sabbat ging er wie gewohnt in die Synagoge. Er stand auf, um aus den Heiligen Schriften vorzulesen. Man reichte ihm die Schriftrolle mit dem Propheten Jesaja. Jesus rollte sie auf und fand die Stelle, wo geschrieben steht: »Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Das ist mein Auftrag: Den Armen soll ich die Gute Nachricht bringen. Den Gefangenen soll ich ankündigen, dass sie frei werden, und den Blinden, dass sie sehen werden. Den Unterdrückten soll ich die Freiheit bringen. Ich soll verkünden: Jetzt beginnt das Jahr, in dem der Herr Gnade schenkt.« Jesus schloss die Schriftrolle wieder, gab sie dem Synagogendiener zurück und setzte sich. Alle Augen in der Synagoge waren gespannt auf ihn gerichtet. Da sagte er zu den Anwesenden: »Heute – in eurer Gegenwart – ist dieses Schriftwort in Erfüllung gegangen.«

Anmerkungen

Jesus weiß nach den Versuchungen in der Wüste, was er zu tun hat. Er predigt. 

In den parallelen Markus- und Matthäusevangelien wird der Inhalt seiner Predigten wiedergegeben mit den Worten:»Ändert euer Leben! Denn das Himmelreich wird sichtbar in der Welt.«, 

Laut Lukas-Evangelium predigt er zu dem gerade in der Synagoge vorzulesenden Text. Die sind ja in unseren Gottesdiensten ebenfalls genau vorgegeben. Man nennt das Perikopenordnung. Eine Perikope ist ein Abschnitt aus der Bibel. Die Perikopenordnung sorgt für die Zuordnung der Texte aus Altem und Neuem Testament zu den einzelnen Sonntagen im Verlauf von sechs Jahren.

Jesus ist es seit langem gewohnt, am Sabbat in die Synagoge zu gehen und darf dort als erwachsener Mann auch den Text lesen – und predigt auch dazu, legt den Text ganz aktuell aus: Der, von dem der Prophet Jesaja spricht, ist jetzt da. 

Es wird deutlich, wie Jesus seine Aufgabe sieht: Unterstützer der Armen, Befreier der Gefangenen, Licht für die Blinden, Gerechtigkeit für die Unterdrückten. Es beginnt ein Jahr der Gnade.

Der Unterschied zu den anderen Evangelien macht mir eines klar: Jesus fängt bei sich an. Er sieht die Bedürftigkeit seiner Mitmenschen und kümmert sich. Er bietet handfeste, konkrete Hilfe. Mit sichtbaren Ergebnissen.

Ja, und er wird dies auch im übertragenen Sinn tun. Er wird auch das Geschenk des Heiligen Geistes, die Befreiung aus gottlosen Bindungen, das Licht der Hoffnung und die Rechtfertigung des Sünders predigen. Von all dem wird Lukas berichten.

Machtverzicht und Machtmissbrauch

Lukas 4 (Basisbibel)

Jesus war jetzt vom Heiligen Geist erfüllt. So ging er vom Jordan weg und wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt – vierzig Tage lang. Dabei wurde er vom Teufel auf die Probe gestellt. Die ganze Zeit über aß er nichts. Am Ende war er sehr hungrig. Da sagte der Teufel zu ihm: »Wenn du der Sohn Gottes bist, befiehl doch diesem Stein hier, dass er zu Brot wird.« Jesus antwortete ihm: »In den Heiligen Schriften steht: ›Der Mensch lebt nicht nur von Brot.‹« Da führte der Teufel Jesus an eine hochgelegene Stelle. Er zeigte ihm alle Königreiche der Welt in einem einzigen Augenblick. Und der Teufel sagte zu Jesus: »Ich werde dir die Macht geben über alle diese Reiche in ihrer ganzen Herrlichkeit. Denn Gott hat sie mir übertragen und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du mich nun anbetest, wird alles dir gehören.« Jesus antwortete ihm: »In den Heiligen Schriften steht: ›Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihn allein verehren.‹« Da brachte der Teufel Jesus nach Jerusalem. Er stellte ihn auf den höchsten Punkt des Tempels und sagte zu ihm: »Wenn du der Sohn Gottes bist, spring von hier hinunter. Denn in den Heiligen Schriften steht: ›Er wird seinen Engeln befehlen, dich zu beschützen.‹ Und: ›Auf ihren Händen sollen sie dich tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.‹« Jesus antwortete: »Es heißt aber auch: ›Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.‹« Damit hatte der Teufel alles versucht, Jesus auf die Probe zu stellen. Er verließ ihn eine Zeit lang.

Anmerkungen

Passender zum Tag kann ein Text gar nicht sein. Nach den Ereignissen gestern in den USA, die ich voller Entsetzen am Fernsehen und in Liveblogs verfolgt habe, tut es gut, heute Morgen zu lesen, wie Jesus, als er „vom Teufel“ alle Macht und Möglichkeiten in dieser Welt angeboten bekam, diese mit Hinweis auf Gottes Gebote weit von sich wies. Donald Trump wurde und wird immer noch von angeblich bibeltreuen, fundamentalistischen Christen in den USA gestützt und gewählt. (Wieviele von ihnen mögen gestern in dem Mob dabei gewesen sein, der das Capitol erstürmte?) Kennen diese Menschen ihre Bibel nicht? Einen Präsidenten, der seine Macht missbraucht, sich für den Mittelpunkt der Welt und das Maß aller Dinge hält, kann man doch nicht wieder wählen! Einem, der permanent lügt und anderen nur Übles nachsagt, kann man doch nicht glauben. Einem, der Hass sät, muss man doch widersprechen.

Jesus hat nicht nur („dem Teufel“) der Verlockung der Macht widerstanden und widersprochen, sondern mit seinem ganzen Leben dem liebenden Gott und den Menschen gedient. 

Taufe und Namen

Lukas 3, 21- 38

Das ganze Volk ließ sich von Johannes taufen. Und auch Jesus wurde von ihm getauft. Auf einmal, während Jesus noch betete, öffnete sich der Himmel. Der Geist Gottes, kam auf ihn herab und seine Gestalt glich einer Taube. Dazu erklang eine Stimme aus dem Himmel: »Du bist mein Sohn, dich habe ich lieb, an dir habe ich Freude.« Jesus war etwa dreißig Jahre alt, als er sein Werk begann. Er galt als der Sohn Josefs. Josef war der Sohn Elis. Seine weiteren Vorfahren waren:  Mattat, Levi, Melchi, Jannai, Josef, Mattitja, Amos, Nahum, Hesli, Naggai, Mahat, Mattitja, Schimi, Josech, Joda, Johanan, Resa, Serubbabel, Schealtiel, Neri, Melchi, Addi, Kosam, Elmadam, Er, Joschua, Elieser, Jorim, Mattat, Levi, Simeon, Juda, Josef, Jonam, Eljakim, Melea, Menna, Mattata, Natan, David, Isai, Obed, Boas, Salmon, Nachschon, Amminadab, Admin, Arni, Hezron, Perez, Juda, Jakob, Isaak, Abraham, Terach, Nahor, Serug, Regu, Peleg, Eber, Schelach, Kenan, Arpachschad, Sem, Noah, Lamech, Metuschelach, Henoch, Jered, Mahalalel, Kenan, Enosch, Set, Adam – und Adam stammte von Gott.

Anmerkungen

Welch ein Erfolg! Johannes muss mit seinen Predigten ins Schwarze getroffen haben. Und die Taufe muss das richtige Symbol gewesen sein: Das Untertauchen im Wasser als Zeichen für das Abwaschen von Schuld. Wer sich von Johannes taufen ließ, bekannte: Ich will von meinem falschen Weg umkehren und nach Gottes Geboten leben. So kommt auch Jesus mit all diesen Menschen zu Johannes. Er ist einer von vielen, lässt sich taufen, betet  – „und der Himmel öffnet sich“. 

Gottes Worte sind hier im Lukasevangelium eigentlich nicht nochmals nötig, die Geburtsgeschichte nach Lukas war doch aussagekräftig genug, um in Jesus den Menschensohn und das Gotteskind zu sehen. Im Markusevangelium ist das ganz anders. Da beginnt alles mit Johannes dem Täufer und mit der Taufe Jesu. Über Jesu Geburt weiß das Markusevangelium nichts zu sagen. Doch Gottes Worte ( »Du bist mein Sohn, dich habe ich lieb, an dir habe ich Freude.«), in den Bibelwissenschaften „Adoptionsformel“ genannt, sind auch in diesem älteren Evangelium zu finden.

Noch eine wichtige Information gibt uns Lukas mit Jesu Altersangabe. Jesus war bereits 30 Jahre alt, „als er sein Werk begann“

Und dann folgt der Stammbaum Jesu. Den gibt es auch im Matthäus 1,1-17. Allerdings knüpft das Evangelium mit dieser Namensliste an das Alte Testament an. und setzt sie an den Anfang. Matthäus füllt sie mit vielen anderen Namen, nennt diese in anderer zeitlicher Reihenfolge. Er beginnt bei Abraham, enthält nicht nur Männernamen, sondern erwähnt auch fünf Frauen. Und selbst der Vater des Josef hat einen anderen Namen, nämlich Jakob.

Beide Stammbäume gehen über Josef. Das hat mich immer schon fasziniert. Denn entweder ist Jesus ein Teil dieser Generationenkette und Josefs Sohn und damit auch Nachfahre Davids oder er steht als vom Geist gezeugter Gottessohn außerhalb dieses Stammbaums.

Genug zum Nachdenken!

Und falls noch jemand einen exklusiven Jungennamen sucht, gibt es in diesen Stammbäumen ein reiches Angebot, es muss ja nicht Noah sein – der ist gerade der beliebteste Name in Deutschland.