Diwidi?

Charlotte und ich gehen gerne einkaufen, auf der Suche nach leckerem Brot oder ungesüsstem Joghurt ging schon so manche Stunde drauf, doch es hat sich gelohnt. Mittlerweile wissen wir, wo wir was einkaufen können. Das meiste bekommen wir sogar im Tante Emma Laden um die Ecke und beim Bäcker gegenüber, dem mit den bunt geringelt behosten Backgehilfen. Dort gibt es sogar Croissants, die richtig gut sind, besser als das „Landbrot“. Wenn wir etwas weiter fahren, besser gesagt, uns fahren lassen, -selber fahren wäre hier unmöglich -, können wir sogar frisches deutsches Brot kaufen und auch richtig gutschmeckende Wurst bekommen. Ich bin zwar sehr für ortsnahe Herstellung der Waren, chinesischer Kaffee, Joghurt oder auch chinesisches Bier sind prima, aber die Wurst schmeckt mir einfach nicht. Da esse ich lieber Käse, Butter, Gemüse…

Aber Lebensmittel sind ja nicht alles, was das weibliche Herz begehrt. Shoppen gehen bezieht sich vor allem auf Kleidung – ein weiterer Kleiderschrank wäre dann auch mal dran, wir hatten so viele Wandschränke in Essen, die wir leider nicht mitnehmen konnten. Der „Geheimtip“ der ersten Tage hieß „Silkroad“, was allerdings keine Straße ist, sondern ein siebenstöckiges Gebäude, in dem alle ehemaligen Straßenhändler und die Seidenverkäufer und Schneiderwerkstätten Platz gefunden haben. Nähert man sich diesem Gebäude, so beginnt schon weit vorher der Run auf den Kunden. „Nice socks, boss“ „watch, good price, gucci“ und unendlich oft: „diwidi“. Wir würden in Socken, Armbanduhren und vor allem DVDs ersticken, hätten wir uns von den sehr anhänglichen Verkäufern auch nur ab und an bequatschen lassen.

Wir haben uns aber nicht ablenken lassen und sind zielstrebig in die Silkroad eingebogen. Reisebusladungen von amerikanischen Langnasen stürmten das Gebäude, dem, den Düften , die aus den Klimaanlagen herausdrangen, nach zu urteilen, offensichtlich nichts Menschliches fremd ist. Ein Minishop reiht sich hier an den anderen, ca 5 qm groß, voll mit bestimmter Ware (Lederjacken oder T-Shirts oder Winterjacken oder Unterwäsche oder…) und jeweils von mindestens ein bis zwei VerkäuferInnen angepriesen.

Wehe dir, du zeigst Interesse! Am besten guckst du gar nicht hin, und wenn du doch mal ein Auge drauf werfen willst, solltest du nicht atmen und flotten Schrittes weiter gehen, ansonsten haben sie dich beim Wickel: sie halten dich wirklich fest, das Kleidungsstück deiner Wahl wird anprobiert, auch wenn du gar nicht willst, und dann hörst du einen Markennamen und einen „good price“, der viel zu hoch ist. Er wird sofort auf die Hälfte gesenkt. Aber das ist für gefakte Ware immer noch viel zu hoch und du zeigst dein Desinteresse. Zwei weitere Verkäuferinnen kommen hinzu. Zu viert machen sie den nächsten guten Preis, es geht weiter bergab, sie halten dir den Calculator hin und du sollst deinen Wunschpreis eintippen. Schreib am besten gar nichts, oder 1Yuan. Sie werden empört sein, aber nicht locker lassen, und weiter runter gehen auf ein Zehntel des Ursprungspreises, trotzdem wird es noch zu teuer sein. Außerdem gefällt dir die Jacke ja gar nicht, das Leder riecht auch streng und du denkst an unzulässige Gerbstoffe, aber wie kommst du raus? Eigentlich hast du keine Chance. Sie halten dich zu viert fest, verfolgen dich durch die Gänge, bekommen noch weiteren Verkäuferbeistand und selbst die Rolltreppe ist noch keine Rettung. Völlig fertig hatten wir nach dem ersten Besuch der Silk Road beschlossen: Nie wieder! aber das haben wir natürlich nicht eingehalten. Wir sind mittlerweile bis ins oberste – angenehmere Schmuck- und Seiden- Stockwerk gelangt, haben andere um ihr Leben laufen gesehen und immer noch nichts dort gekauft.

Stattdessen wissen wir jetzt, wo man angenehmer einkaufen kann, ebenfalls sehr günstig, auch zum Handeln, aber ohne angelangt zu werden und in freundlicher chinesischer Kunden- und Verkäuferinnen-Gesellschaft. Leider müssen wir dazu wieder ins Auto steigen. Und dann passiert es immer noch: Nichtsahnend sitzt man auf dem Beifahrersitz, die Ampel zeigt rot und Driver Ma bleibt tatsächlich stehen, weil er geradeaus rüber muss, da klopft es an die Fensterscheibe und ein junger Mann hält einem etwas hin und ruft „diwidi“ !

shouji (chin. Handy)

Nachdem wir einige Tage in Beijing waren, stellte sich natürlich die Frage nach einem lokalen Handy für uns drei. Auf Dauer würde die Nutzung deutscher Handys sicher zu teuer werden. Also fragte ich zunächst in der Firma, ob es wie in Deutschland auch ein Firmenhandy gibt. In Deutschland konnte man das auch für private Zwecke nutzen, wenn man die Privatgespräche abrechnet. Leider gibt es so etwas hier nicht. Aber man wollte mir natürlich behilflich sein und so machte ich mich bald darauf mit einem chinesischen Kollegen auf zu China Mobile.

Als erstes durfte ich mir an einem Bildschirm Telefonnummern aussuchen. Natürlich alle ohne eine einzige 4. Denn 4 ist die Unglückszahl an sich, da sie genauso klingt wie das Wort Tod. Das war ja noch eine leichte Übung.

Danach wurde ich gefragt, ob ich denn ein Bankkonto in China habe. Das hatte ich zwar ein paar Tage vorher beantragt, aber noch keine Bestätigung bekommen, und konnte daher keine Bankverbindung angeben. – War ich etwa zu früh losgezogen? – Mir wurde daraufhin erklärt, dass dies bedeutet, dass ich eine gewisse Vorauszahlung zu machen habe. Nun gut, das war ja zu machen.

Damit kam aber die nächste, für mich überraschende Frage: Ob ich denn mit den Handys ins Ausland telefonieren wollte. Auf die Antwort, dass wir gerne zwei Handys hätten, mit denen wir ins Ausland telefonieren können und eins nur in China, bekam ich zunächst gesagt, dass letzteres in dieser Filiale leider zur Zeit nicht verfügbar sei.

An einem der Schalter wurden nun mehrere Formulare ausgefüllt, Daten aus meinem Pass übertragen und das ganze mit dem hier üblichen beeindruckenden roten Stempel versehen. Wieder einmal durfte ich Formulare unterschreiben, die nur in chinesischer Schrift geschrieben waren, so dass ich keine Ahnung habe, was ich unterschrieben habe. Man lernt hier das Vertrauen in den Mitmenschen.

Schliesslich wurde mir beschieden, dass ich für jedes Handy umgerechnet 300 Euro vorauszahlen müsste. Aber das sei nicht so schlimm, das Geld könne ich abtelefonieren.

So viel Geld hatte ich natürlich nicht bei mir. Und elektronische Zahlung per EC oder Kreditkarte war auch nicht möglich. Aber auch das sollte doch ein lösbares Problem sein, schliesslich gab es direkt neben China Mobile eine Bankfiliale.

Also die Bank „gestürmt“ und an den Geldautomaten. Leider bekam ich nur eine Fehlermeldung und kein Bargeld. In der Schalterhalle wurde mir nach kurzem Dialog mit einer freundlichen jungen Dame beschieden, dass diese Bank das übliche EC/Maestro- Verfahren nicht bedient. Aber ganz in der Nähe sei eine andere Bank, bei der ich bestimmt Geld bekommen könnte.

Mein Begleiter und ich gingen also auf die Strasse zurück und schauten nach der anderen Bank. Sofort kam die freundliche Dame aus der Schalterhalle hinterher gelaufen, um uns genau zu zeigen, wo wir denn die andere Bank finden könnten – ein Service, den ich aus Deutschland so nicht kenne.

Leider war die andere Bank nur ein Bankautomat und der war …. defekt. Aber im gleichen Gebäude gab es einen grossen Supermarkt, mit einem weiteren Bankautomaten. Allerdings war dieser nicht bereit umgerechnet 600 Euro (für zwei Handys) auszuspucken. Also ein zweiter Versuch mit 300 Euro, für wenigstens ein Handy. Das ging. Merkwürdigerweise wurde ich nach der Auszahlung nicht aus dem Dialog entlassen und bekam auch nicht sofort meine EC Karte wieder. Vielmehr war ich wieder im Eingangsdialog. Also nochmal versuchen die zweiten 300 Euro zu bekommen. Das ging wieder problemlos.

Warum man 600 Euros nur in zwei Etappen abheben kann, bleibt sicher das Geheimnis der chinesischen Bankautomaten-Entwickler bzw. der jeweiligen Banken. Aber ich hatte ja das benötigte Geld und nun ging es schnell zurück zu China Mobile.

Dort wurde das Geld maschinell gezählt (der grösste erhältliche Schein entspricht 10 Euro) und schnell hatte ich zwei SIM Karten in meiner Hand. Als ich allerdings die Frage nach zwei neuen Handys stellte, schaute ich rundherum in ziemlich ratlose Gesichter. So etwas wie ein Bundle eines Vertrags mit einem neuen Handy schien hier völlig unbekannt zu sein.

Eine weitere Frage ist mir bis heute nicht vollkommen klar geworden: Ob ich denn nun einen Pre-paid Vertrag habe, also zunächst ein Guthaben erwerben muss, das ich dann abtelefonieren kann, oder ob ich nach dem Verbrauch der 300 Euro eine monatliche Rechnung bekomme.

Aber erst einmal kann ich mit einem chinesischen „Handy“ telefonieren.

Und die ganze Aktion hatte „nur“ schlappe zwei Stunden gedauert. China ist eben doch anders.

Fortsetzung folgt ……

Bei Klaus piept’s

Während ich gemütlich lese, höre ich es ständig piepsen. Dann summt es und brummt es von weiten, es piepst, alles ist wieder still, es piepst, es rauscht, das Piepsen kommt näher, es rauscht hinter mir und mein Mann steht im Zimmer mit einer kleinen beigen Kiste mit Knöpfen. Ach, die hab ich schon mal gesehen, beim Einzug wurde mir ein großes rotes Paket mit vielen hellen Fernbedienungen übergeben. Unsere Maklerin Ivy sagte nur: Forget it, und das hab ich getan, hab sie in einen der vielen Küchenunterschränke gepackt und nicht mehr an sie gedacht. Nicht aber so Klaus. Jetzt, da es abends doch etwas schattiger wird, sorgt sich der Mann um unser Wohlgefühl und lässt in seinem Managerdasein den Physiker aufblitzen: es wird experimentiert, am liebsten mit elektronischen Anlagen. Schade, dass keine Drähte dran sind.

Nun, er hat ja recht, ein bisschen Wärme daheim wäre angebracht. Tagsüber ist es zwar meistens noch sehr angenehm draußen, so ca 12-16 Grad, aber morgens und abends könnte die Heizung an sein, könnte, war sie aber nicht, denn der weise Rat der Stadt Peking hat beschlossen, dass die Heizperiode erst am 15. November beginnt, vorher muss man sich anders behelfen, zum Beispiel durch die Lüftung, die auch auf Warmluft gestellt werden kann. Wer hat, der hat. Wer nicht hat, der zieht sich warm an. Nun, irgendwas muss gestern passiert sein, auf jeden Fall war – hurra! – abends die Heizung an. Leider stellten wir heute morgen fest, dass wohl nicht jedes Ventil seinen Dienst tut. Nun, heute scheint wieder die Sonne, es ist strahlend blauer Himmel und unten im Park machen die ersten ihre Taichi Übungen. Die Gingkobäume strahlen mit herbstlichen gelben Laub und ich werde mich in den Alltag stürzen.

Das heißt: abwaschen, denn die Superküche hat keine Geschirrspülmaschine, Wäsche in die Waschmaschine stecken – in der Hoffnung, das richtige Programm gewählt zu haben, denn unsere Siemens-Waschmaschine ist ausschließlich mit chinesischen Schriftzeichen versehen – und anschließend alles nacheinander in den Trockner – so was hab ich noch nie besessen, es gab ja immer einen Garten oder Trockenkeller – ebenfalls in der Hoffnung, dass die Intuition beim chinesische Maschinen-Benutzen hilft.

Nach der Hausarbeit geht’s raus, zum Unterricht. Mittlerweile sind die Straßen dann auch gut gefüllt mit immer mehr Autos – zumeist dauerhupende Taxen, sehr günstig! – und Fahrrädern – meistens alt, ohne Licht und Klingeln, und Elektromopeds, schnell und unhörbar. Sie alle versuchen, jede Lücke zu nutzen und möglichst immer rechts abzubiegen, denn das darf man immer, egal, was die Ampel zeigt oder wer sich da in den Weg begibt. Das dickste Auto hat Vorfahrt, die Fußgänger kommen zuletzt dran und werden von rote Fähnchen schwingenden Verkehrshilfspolizisten zurückgehalten, bis sie es wagen dürfen, über die Straße zu gelangen. Dabei sollte man den Blick ständig nach links halten, denn von dort kommt die Gefahr in Form der oben beschriebenen Dauerhuper. Nach mehr als einem Monat Peking bin ich an die Geräuschkulisse gewwöhnt. Da macht es kaum noch was, wenn es hier mal piepst.

Hanyu nan ma?

Hanyu nan sile! Wirklich Chinesisch ist sauschwer! Aber wer es übersetzen kann, der kann sehen, dass wir eifrig lernen. Dabei lernen wir chinesisch für chinesische Analphabeten. Wir lernen nämlich bislang chinesische Worte, aber keine chinesische Schrift, sondern lateinische Umschrift für chinesische Worte. Dabei hat jedes Wort noch ein Klangzeichen drüber, denn chinesisch hat was von „Singsang“ in der Sprache. Es gibt hohe Töne, sich absenkende, aufsteigende und eher unbetonte. Wir können mittlerweile Menschen begrüßen, uns entschuldigen, uns und andere vorstellen, nach essen und trinken fragen und zählen. Morgen lernen wir Zeiten und Daten. Manches ist in chinesisch sehr leicht, anderes fürchterlich kompliziert. 111 heißt übersetzt: eins hundert eins zehn eins, 1o1 ist eins hundert null eins, 110 ist eins hundert eins. Wundert es da irgendwen, wenn die Kassiererinnen hier manchmal durcheinander kommen?

Wir lernen bei Nancy. Nancy ist Lehrerin im Mandarin-House und ständig unterwegs, da ihre meisten SchülerInnen daheim unterrichtet werden, wie wir bislang auch. In unserem Übergangsappartment war das nicht immer leicht. Zunächst musste Nancy im Eingangsbereich abgeholt werden, weil sie sonst nicht bis zu uns gelangen konnte. Die Zwischentür funktionierte nur mit Karte, der Aufzug ging nur mit Karte und auch unsere Wohnungstür wollte eine Karte spüren, die leider oft erst einmal ein rotes Licht zur Folge hatte, was natürlich „kein Einlass“ bedeutet. Das war die erste Schwierigkeit. Dann hatte Nancy immer viele Taschen dabei, für die unterschiedlichen Schüler, außerdem musste sie ständig den „Bathroom“ benutzen, da Chinesen ihre Nase nicht in der Öffentlichkeit schneuzen, und die Abwechslung zwischen Wohnungen, Bussen und Strassen das Riechorgan reizte. Und dann kam in dem „Luxury“-Appartment dauernd wer vorbei: wollte die Heizung prüfen oder Gardinen neu aufhängen, musste die Wasserleitungen beschauen oder es war das vierköpfige Putzkommando. Da soll man sich auf Chinesisch konzentrieren, das es mit seinen Worten schon schwer genug macht. Wie soll man ernst bleiben bei „popo“ = Oma, oder „mamahuhu“ = so lala, auch „taitai“ = Ehefrau gefällt mir nicht besonders. Heute haben wir „ar-sche“ gelernt= 20.

Ab morgen lernen wir im Mandarin-House. Das ist in der achten Etage in Fortune Plaza Gebäude und die Unterrichtsräume sind 1,5 qm groß. Praktischerweise ist es im selben Gebäude wie Bayer Health Care, so dass Klaus hinterher einen Kaffee mit uns trinken kann, denn der kann nur Wei = Hallo und Ni hao = Guten Tag, ansonsten hofft er endlich auf gute Unterrichtszeiten für sich. Er ahnt noch nicht, wie anstrengend diese Lernerei ist. Wir zwei sind immer fix und foxi nach den zwei Stunden, aber wir können hinterher auch wirklich was.

Übrigens, beim Auszug aus dem Luxury-Appartment mussten wir ein wenig warten, weil – nein, nicht wegen der schmelzenden Pfanne – der Aschenbecher nicht zu finden war. Die großgewachsenen, nichtrauchenden Langnasen hatten ihn nach oben ins Regal über dem TV befördert und die kurzen Chinesen hatten ihn nicht gesehen. Nun, den Menschen kann geholfen werden, denn es gibt ja eine Sprache. Und – Gott sei Dank! – spricht auch hier so mancher englisch.

Liebe Grüße an die Deguoren = Deutschen

wei! Hongkong

Am Sonntag vor 8 Tagen flog ich mit Klaus nach Hongkong, wegen meines Visums. Die chinesische Botschaft in Deutschland  hatte es mit mir zu gut gemeint und mir ein z- Visum gegeben, das ich eigentlich gar nicht bekommen durfte und hier nun auch nicht anerkannt wurde. Also musste ich innerhalb von 30 Tagen ausreisen, wobei aber die Frage ist, ob Hongkong jetzt zu China gehört oder nicht. Auf jeden Fall gibt es dort eine chinesische Botschaft.

Also sind wir am Sonntag zum Flughafen gefahren und da hatte der Flieger dann auch schon 20 Minuten Verspätung. Als wir dann ca. um 19.00 Uhr ankamen  und unser Gepäck abholen wollten, kam ein  Angestellter von der Gepäckvermisstenstelle und teilte uns mit, das kein Gepäck aus Beijing in diesem Flieger gewesen sei. Mit vielen anderen Gepäcklosen gaben wir dann auch unsere Hoteladresse ab und fuhren ohne Gepäck mit dem Zug in die Hongkonger City. Vom Bahnhof aus brachte uns ein Taxi zu unserem angeblichen Hotel. Dort stellte sich heraus, dass wir im falschen Hotel waren, da es zwei „Novotels“ in Hongkong gibt. Nun war aber das Problem, dass unser Gepäck zu diesem Hotel gebracht würde. Mit dem Versprechen, unser Gepäck weiterzuleiten, verließen wir den falschen Ort und fuhren mit Taxi ins nächste Hotel, in dem tatsächlich eine Buchung für uns vorlag. Unsere Gepäckprobleme erklärten wir beim Einchecken und am gleichen Tag um Mitternacht soll das Gepäck schon dagewesen sein. Wir schliefen aber schon und freuten uns am nächsten Morgen über frische eigene Bekleidung. Der Rest der Reise verlief problemlos. Hongkong ist stickig, ziemlich eng gebaut, die Autos fahren links und die Busse und Straßenbahnen sind doppelstöckig. Die Straßenbahn besteht dabei nur aus einem Waggon und ich frage mich, warum die denn nicht – zumindest manchmal – umkippen. Ich bin wieder zurück in China und erstmal wieder drin.

Der Umzug ist geschafft

Am Montag und Dienstag sind wir eingezogen mit Sack und Pack. Zehn Chinesen und ich haben den Einzug hier in Central Park geschafft – ich alleine, weil die anderen beiden sich Hongkong angesehen haben. – Aber dazu will Charlotte schreiben. –

Ja, unser großer Container durfte nicht in die Stadt hinein fahren. So musste zunächst alles umgeladen werden auf kleinere LKW. Dabei stellte sich heraus, dass der Zoll den Inhalt des Containers nicht betrachtet hat. Als die kleinen LKWs hier ankamen, stand die Einfahrt gerade unterWasser, weil hier Großreinemachen angesagt war. Überhaupt wird hier ständig geputzt und unser Einzug war für die Putzdamen eine einzige Herausforderung.

Innerhalb von zweieinhalb Stunden war alles Hab und Gut im 19. Stock gelandet. 268 Stücke musste ich abzeichnen – ich kam mir vor wie beim Bingo – und jeweils in den richtigen Raum schicken. Danach wurden die ersten Möbelteile ausgepackt – und siehe da, alles war heil. Dann aber mussten alle Chinesen schnell weg, denn LKWs dürfen ab 16.ooUhr nicht mehr in der Pekinger Innenstadt fahren wegen des Berufsverkehrs. -Ich halte das für eine sehr gute Idee.

Am nächsten Morgen um 9.30 waren sieben Chinesen wieder da und bauten Schränke auf, von denen sie nicht wussten, wie sie aussehen sollten. Ich war sozusagen in drei Zimmern gleichzeitig, um zu erklären, was woran gehört. Aber Chinesen lassen sich nicht entmutigen und versuchens halt noch mal, wenn es beim ersten Mal nicht geklappt hat, So wurde der Wohnzimmerschrank nochmal auseinander genommen und auch unser Bett sorgte für viel Vergnügen, bis es endlich stand. Im Kleiderschrank wurde öfters einer eingesperrt, um für die richtige Ausbalancierung zu sorgen.

Ein besonderes Vergnügen aber machte ihnen das Auspacken. Tassen und Teller kamen irgendwo hin, aber immer mit großem „Aha“. Und siehe da, aus drei großen Kartons wurden – mitten im neuen Wohnzimmer – unsere Fahrräder herausgeholt, zurechtmontiert und für sehr groß befunden.

Ich habe Montag und Dienstag noch eifrig weiter ausgepackt und eingeräumt und manchmal kaum noch gewusst, wie ich meinen Rücken wieder gerade kriege. Allmählich findet auch alles sein richtiges Plätzchen und wenn wir uns dann noch traue, Nägel in die unangetasteten Wände zu schlagen – wir mussten den Besitzer dafür um Erlaubnis fragen und er möchte tatsächlich wissen, wieviele Löcher es geworden sind – bei all den Bildern, die wir mitgenommen haben, kommen da schon etliche zusammen! – nun, dann sieht es hier bestimmt schon wieder heimisch aus. Alle Kisten sind ausgepackt, heute gab es einen ganz normalen überbackenen Nudelauflauf und die erste Wäsche ist gewaschen. Wenn das nicht bedeutet, dass wir zuhause sind, dann fehlt nur noch der Spieleabend dazu – und der findet jetzt statt. Ein paar Fotos von heute kommen noch hinzu: Unser Wohnturm, der Blick aus dem Gartentor, und zwei Blicke von diesem Schreibtisch auf die Umgebung. Ich bin und hab’s geschafft. Henny

Früher als der Wecker

….bin ich in den letzten Tagen aufgewacht. Das halte ich für ein gutes Zeichen. Manches, selbst die 6 Stunden Zeitverschiebung, fällt kaum noch auf. Ich gewöhne mich an die huperei auf der Straße, an die rücksichtslosen rechtsabbieger, an das Weissbrot. Aber jetzt weiß ich auch, wo ich deutsches Brot bekomme, denn wir haben die ersten Kontakte geknüpft. Am Sonntag waren wir im Gottesdienst ( der dritte Erntedankgottesdienst in diesem Jahr, den ich mitfeierte). Der Deutsche Gottesdienst fand in einer Kirche! eines theologischen Seminars der protestantischen Kirche in China statt. Viele Kinder und Erwachsene mittleren Alters bildeten die Gemeinde und anschließend fand ein Picknick unter strahlender Sonne statt. Die gesungene Liturgie war etwas gewöhnungsbedürftig, die lange Predigt dafür wirklich gut. Und Speis und Trank waren lecker.
Heute, 17.10. haben Charlotte und ich einen Ausflug der gemeinde mitgemacht zu einer ökologisch arbeitenden Farm, angeblich zwei Stunden fahrt von Peking entfernt, tatsächlich aber eher drei, was natürlich auf den enormen Verkehr zurückzuführen ist. Wir waren in einem wunderschönen Tal mit Gewächshäusern voller guter Dinge, mit wohlriechenden Kräutern und mit zahlreichen Tieren, von Huhn und Kaninchen, über Ziege und Schwein, bis zu Kuh und Kamel. Es gab gutes Essen, bestimmt 15 verschiedene Schalen voll, und einen selbstgemachten Fruchtwein. Außerdem begegneten wir vielen Insekten und Tausendfüßlern und eine Heuschrecke, fast handgroß, imponierte uns sehr. Neben dem Kennenlernen anderer Deutscher in Peking brachte diese Fahrt Einsichten in das Leben auf dem Lande – Maisernte von Hand, Eselskarren und organische Düngung! – und ein Gefühl für die Ausmaße Pekings. Es dauert selbst ohne Stau ewig, bis man die Stadtgrenze erreicht.
jetzt aber muss ich für heute Schluss machen, Charlotte will noch den Film über ihren heutigen Kamelritt auf der Farm sehen – auch das kam vor, neben Bootsfahrt und Pferdewagen.

Wir entdecken Peking

Inzwischen sind wir schon vier Tage in Peking. Da im Moment das Wetter noch schön ist gehen wir viel raus und entdecken ständig neue Sachen. Langsam kommt das Gefühl, dass man nicht mehr in einer völlig fremden Stadt ist. Morgen müssen wir in unsere richtige Wohnung im Central Park, da wir Gardinen und Lampen für die Wohnung aussuchen sollen. Außerdem ist unsere Luftfracht seit vorgestern in der Wohnung. Freue mich schon drauf, wenn ich wieder meine eigenen Möbel habe und wenn wir wieder unsere eigenen Küchenuntersilien da haben. In der Wohnung in der wir im Moment wohnen, werden wir nicht mehr kochen, da wir vor einigen Tagen Fleisch gebraten haben und dabei der Griff vom Deckel der Pfanne einfach weggeschmolzen ist.  Das einzige was noch etwas schwierig ist, ist das Einkaufen. Ganz liebe Grüße nach Deutschland.

Wir sind da!

Heute Morgen sind wir zum ersten Mal in Peking aufgewacht. Ich konnte gar nicht wach werden, obwohl viele Stunden Schlaf hinter mir lagen. Mein Körper war sich offensichtlich sicher, dass es mitten in der Nacht war. Nachts um drei konnte ich allerdings nicht mehr schlafen, in Deutschland war es ja auch gerade erst 9 Uhr abends.
Am 5. Oktober flogen wir um 14.25h von Düsseldorf nach Frankfurt, anschließend nonstop nach Peking. Der Flug war angenehm und ruhig, aber in den drei Stunden Nachtruhe nach einem ausführlichen Abendessen konnte ich kaum schlafen. Vom Flughafen Peking – es regnete in Strömen – wurden wir von Ivy abgeholt und zu unserem Übergangsappartment gebracht. Unsere sechs Koffer plus Handgepäck gingen kaum ins Auto. Unser derzeitiges Zuhause schimpft sich „luxury“, aber wir entdecken eine spärliche hauswirtschaftliche Ausstattung: pro Kopf eine Tasse, Teller, Glas, ein Kochtopf, und so geht es weiter. Aber zwei Fernseher und natürlich Gefrierschrank. Vermutlich gehen die meisten Bewohner regelmäßig essen.
Gestern Nachmittag, als der Regen aufgehört hatte, machten wir einen ersten Erkundungsspaziergang und kamen tatsächlich bis Central Park, wo wir demnächst einziehen werden, wenn unsere Möbel Ende des Monats mit der Seefracht ankommen. Im Cafe bei The Place, gleich gegenüber von CP, genossen wir Käsekuchen und Kaffee bzw. Tee. Der erste Einkauf im Supermarkt folgte und das erste selbstgekochte Abendessen konnte verspeist werden.
In Deutschland geschah alles ein letztes Mal, jetzt ist auf einmal alles zum ersten Mal. Hoffentlich tritt bald wieder etwas Normalität ein.
Heute – 7.10. – scheint die Sonne, es ist warm, aber äußerst windig. Wir haben einen Spaziergang bis ChinaWorld unternommen, das ist nicht sehr weit, aber es gibt viel zu sehen und wir haben ja Zeit, alles zu erkunden. Wenig Verkehr, hauptsächlich Taxen und einige Fahrräder, beleben die sonntäglichen Straßen. Doch viele Geschäfte haben auf und wir müssen einkaufen, da wir so manches gestern beim Kochen vermisst haben, unter anderem hatten wir kein Salz. Das fängt ja gut an! Keine Kirche, sondern einen Konsumtempel der teuersten Art haben wir aufgesucht. Aber gucken darf man doch mal? Bald wird es schon dunkel – gegen 18.00h – und dieser ruhige erste Tag hat ein Ende. Morgen muss Klaus ins Büro und Charlotte und ich kümmern uns um ihr Praktikum, denn dann ist auch die Festwoche in China vorüber und für alle Menschen hier beginnt wieder ein normaler Arbeitstag.

Es geht los !

Anfang dieser Woche kamen vier freundliche Herren in unser Haus in der Überruhrstrasse und fingen an, all unser Hab und Gut fein säuberlich zu verpacken. Dabei war immer zu unterscheiden, was in die Seefracht sollte, was eingelagert werden sollte und was mit der Luftfracht transportiert wird. Wir hatten diese Verpackungsaktion in den vegangenen Wochen vorbereitet und entsprechende Listen gemacht und Aufkleber angebracht. Trotzdem durften wir ständig Rede und Antwort stehen, was denn nun wohin soll.

Am Dienstag kamen dann noch ein Elektriker und ein Schreiner dazu, um die Küche und Schränke zu demontieren und die Lampen abzuklemmen.

Nach dieser Vorbereitung stand dann am Mittwoch früh ein grosser Sattelschlepper mit einem 4o-Fuss Container vor unserer Tür (siehe Fotos). Mit Mühe passte er gerade auf den Parkplatz vor unserem Pfarrhaus. Das Beladen begann und gegen 14.00 Uhr war alles verstaut, was mit auf die Seereise soll. Zu unserer Überraschung war der Container nur zu ca. 3/4 gefüllt. Nachdem die Ladung gesichert war, wurde der Container geschlossen und versiegelt und ging auf die Reise nach Antwerpen, von wo er über Zeebrügge verschifft wird. Mit Hilfe des Internets werden wir seine Reise verfolgen. Falls alles planmässig läuft, können wir unser Hab und Gut Anfang November in die Wohnung in Beijing einräumen.

Aber damit hatte das Packen noch kein Ende. Nun mussten noch die restlichen Sachen verpackt werden, die hier in Deutschland eingelagert werden sollten. Am Donnerstag früh stand dann wieder ein, allerdings kleinerer, Container vor der Tür, der diese Sachen aufnahmen. Am frühen Nachmittag war auch dieser gefüllt.

Damit haben die Umzugsaktivitäten einen wichtigen Meilenstein erreicht. In unserer nun fast leeren Pfarrwohnung befinden sich nur noch die wenigen Sachen, die per Luftpost Ende des Monats transportiert werden sollen. Es ist hauptsächlich Kleidung, die wir in den ersten Wochen in Beijing benötigen, bis unsere anderen Sachen eintreffen.

Bis zu unserer Abreise Anfang Oktober leben wir nun in in zwei freundlichen Zimmern in Burgaltendorf.