Dadi – ich nehme ein Taxi

Taxis gibt es in Peking wie Sand am Meer. Der unglaubliche Straßenverkehr wird von ihnen beherrscht und farblich geprägt: rot-gelb oder grün-gelb überall. Und die Taxifahrer sind eine ganz besondere Klientel: da gibt es jene flotten, wenig gesprächigen, die ihren Gast sicher, allerdings mit viel Gedrängel und ständigem Spurenwechsel von A nach B bringen, aber vor allem gibt es die chaotischen. Vor einiger Zeit machte ein Taxifahrer die ganze Fahrt über besondere Geräusche und hatte eigentlich auch immer nur eine Hand am Steuer. In der anderen bewegte er zwei Walnüsse hin und her, so dass ein gewisser Sound entstand. Das Lenken war zwar manchmal schwer, es ruckelte während der Fahrt und die Bremsen mussten öfters herhalten, aber was soll’s. Zuvor hatten wir schon einmal einen, der ein kleines Computerspielchen während der Fahrt machte. Dafür fuhr er auch besonders langsam. Beliebt ist auch das Lauschen eines lustigen Hörspiels während der Tour oder ständiges Gähnen wegen Übermüdung.

Dann gibt es natürlich die Herrschaften, die einen nicht fahren wollen, weil das Ziel zu weit oder unbekannt oder was weiß ich was ist. Da kann man dann nur aussteigen, oder einer hofft auf ein besonders lukratives Geschäft mit einer Langnase, hat nicht nur sein Radio an, sondern für den Gast auch noch einen Fernseher und steuert erstmal die falsche Richtung an. Wenn solch ein Europäer dann aber zeigt, dass er weiß, wo es lang geht, dann gibt es eine wortreiche Erklärung, warum man dachte, man müsste da lang fahren und nimmt dann doch zerknirscht den kürzesten Weg. Überhaupt sind viele Taxifahrer sehr gesprächig. Gerade heute hatten wir wieder so einen: Ich nenne ihm auf seine Frage mein Ziel und er beginnt ein Gespräch – alles auf Chinesisch. Noch kann ich mithalten, geht es doch nur übers Wetter und die „Sau“-kälte. Aber nun legt er los und ich gerate an meine Grenzen. Er spricht vom Straßenverkehr und der ruhigen Verkehrssituation in diesen Feiertagen. Meine Antwort fällt knapp aus. Er versucht es weiter, aber es klappt nicht. Ich weiß einfach nicht, welches Thema jetzt dran ist. Daraufhin muss er sowieso erst mal die Nase geräuschvoll hochziehen, husten und räuspern, an der Ampel die Autotür öffnen und rausspucken. Er ist doch sehr erkältet und müde ist er auch – das Gähnen will gar nicht wieder aufhören. Wir sind froh, als wir endlich unsere 1,50 € zahlen und aussteigen können. „Der war doch ganz nett und unterhaltsam“, meint Charlie. Sie hat gut reden. Sie saß ja auch nicht neben ihm.

Am besten gefallen hat mir bislang die einzige Taxifahrerin, die ich hier in Beijing erlebt habe. Sie hatte mit uns eine lange Tour bekommen und machte sich ganz anders als ihre Kollegen auf den Weg. Sie fuhr weder hektisch noch drängelnd, aber zügig und, was ich hier noch nie erlebte, vorausschauend und mit Abstand. Als sie einen Stau erspähte, bog sie ab, irgendwie in die Nebenstraßen und brachte uns so schnell und sicher ans Ziel. Ich hatte den Eindruck, zum ersten Mal in einer Taxe zu sitzen, bei der der Fahrer, bzw. die Fahrerin, wusste, wie das Straßennetz Pekings aussieht. Wir erspähten auch eine besondere Auszeichnung für sie auf dem Armaturenbrett.

Mit dem Sehen ist das bei manchen auch so eine Sache. Neulich zog ein Fahrer eine Lupe hervor, um die Adresse auf der Visitenkarte überhaupt lesen zu können. Welche Art von Prüfung macht solch ein Fahrer eigentlich, bevor er auf die Menschheit losgelassen wird? Musste er so wie andere Führerscheinanwärter auch nur auf dem Verkehrsübungsplatz herumfahren und eine theoretische Prüfung ablegen? Gibt es zusätzliche Orientierungsprüfungen? Und was ist mit Sehtest und Eignungsprüfung, Fahr- und Ruhezeiten? Und warum haben manche so eine Art Käfig um sich aufgebaut?

Morgen hat unser Fahrer nicht mehr frei – Gott sei Dank!

China versinkt im Schnee

– ganz China? Nein, eine Hauptstadt im Norden, deshalb heißt sie Bei(Norden) Jing (Hauptstadt) trutzt allen Wetterangriffen. Täglich sehen wir die Schneekatastrophe im Fernsehen, bestaunen und bedauern die reisenden Massen, die in Bahnhöfen stranden und stellen uns vor, wie schrecklich es sein muss, wenn man als Wanderarbeiter nur einmal im Jahr nach Hause reisen kann, und nun irgendwo mit hunderttausend anderen Menschen wartet, ob es weiter geht und ob die Zeit noch reicht, um Heim zu kommen und wieder zurückzureisen. Hinzu kommt sicher noch die Sorge um die Familie, die eventuell ohne Strom bei Eiseskälte zurechtkommen muss. Und wo kommt die Kohle für den Ofen her, wenn Bahn und Straße nicht benutzbar sind? Und wie heizt man in Gegenden, in denen es eigentlich nie wirklich kalt wird, jetzt aber Minusgrade herrschen? Wir bewundern die logistischen Leistungen, die die Helfer vollbringen, wenn sie Menschenmassen in Messehallen und Schulen unterbringen und versorgen.

Aber wir hier im eisigen, aber sonnigen Peking sehen das alles nur im Fernsehen. Wir merken, dass auf den Baustellen allmählich weniger gearbeitet wird und betrachten die vielen Geschenkpakete, die heimgetragen werden. Deutsche Freunde sprechen von dreiwöchiger intensiver „Sylvester“Knallerei und wir freuen uns drauf. Allerdings werden auch wir zwischendurch verreisen – hoffentlich ohne Schneechaos. An den Menschenmassen kommen wir bestimmt nicht einfach so vorbei, aber es muss ja noch anderes geben als dieses strahlende Beijing, dass außer zugefrorenen Seen nur kleine Eisflächen zu bieten hat, weil eifrige Ayis das Putzwasser rausschütten.

Ein Ort, der sich zur Zeit zum Verreisen anbietet, ist Harbin, weit im Norden an der russischen Grenze. Bekannte waren dort und erzählten begeistert von dicksten Daunenjacken, Gesichtsmasken und mehreren Sockenschichten in Moonboots. Dafür kann man eine ganze Stadt aus Eis besuchen und aus Eiskelchen trinken etc.

Wir werden den Süden vorziehen, den sonnigen, warmen Süden. Und wir werden fliegen.

Happy New Year

Chinesen scheinen das Schmücken zu lieben. Je mehr, desto besser. Die Weihnachtszeit in unserer Wohnumgebung war von täglichen Überraschungen geprägt: Im Foyer unseres Hauses wurden Anfang Dezember große Schneekristalle aufgehängt und eine weihnachtliche Winterlandschaft aus Styropor und Plastik aufgestellt. Am nächsten Tag hingen ein paar Kugeln in den Bäumen des Parks. Dann wurde ein Lichterbaum aufs Rondell gebaut. Als nächstes standen an den Einfahrten auch noch Lichterbäume. Adventskränze ohne Kerzen hingen an manchen Shopfenstern und dann bekam auch noch jede zweite Parklaterne eine silberne Schleife. Ein paar Tage später umkreisten auf dem Rondell leuchtende Schwäne den Lichterbaum und Lichterketten hingen an der Steineinfassung. Die Straßenabsperrung erhielt ein neues Outfit mit einem künstlichen Schneewall, dessen Aushöhlungen von innen beleuchtet waren. Alle Straßenbäume wurden noch einige Tage vor Weihnachten mit Lichterketten üppig ausgestattet- im deutschen Radio hatte ich gehört, dass Millionen von Lichterketten aus China nicht durch den Zoll gekommen seien wegen mangelnder Sicherheit… und die Riesentransparente mit Merry Christmas durften auch nicht fehlen. Zum Schluss tanzten noch die Weihnachts- mit den Schneemännern über die Deckenleinwand von The Place.

An Sylvester hing und stand all das immer noch rum und wir überlegten, wie lang es wohl so bleiben möge. Nun, pünktlich am 7. Januar wurden die Adventskränze abgehängt und die Schneekristalle verschwanden aus dem Foyer und auch die Schneelandschaft. Stattdessen zogen Fische und Mäuse ein. An den Fenstern hängen sie, aus rotem Papier geschnitten, und weisen auf das Jahr der Maus, bzw. eigentlich Ratte, hin, das am 6. Februar beginnt. Die Fische verheißen Reichtum im neuen Jahr, die Farbe rot steht für Glück, das auch überall aufgeschrieben steht. Ja, und dann kam die Weihnachtsbaumalternative: rote Lampions mit Goldquasten, sehr schick und sehr groß, und die wunderbaren Knotengebilde und all die anderen Neujahrsüberraschungen. In den Geschäften gibt es rote Glückwunschkarten zu Neujahr und natürlich kleine rote Tüten, die man mit Geld füllen kann, als Neujahrsgeschenk. Denn Geschenke sind wichtig zu Neujahr! Wir müssen uns noch unbedingt schlau machen, ob wir und wem wir etwas zu schenken haben. Natürlich haben wir zu Weihnachten Geschenke verteilt.

Übrigens die Lichterketten und Kugeln hängen immer noch, nur die Transparente sind ausgewechselt: Happy New Year steht drauf, oder etwas sehr langes auf chinesisch, das ich nicht entziffern kann. Ich muss sicherlich nicht betonen, dass in total chinesischer Umgebung von Weihnachten nichts zu sehen war. Aber jetzt muss ich doch mal wieder nachsehen, ob das chinesische Neujahr überall seine Spuren legt. Seit gestern liegt Schnee – für die abergläubischen Chinesen bedeutet ein verschneitet Neujahr ein glückliches neues Jahr.

Luxus und Dekadenz

Der letzte Betriebsausflug mit den MitarbeiterInnen aus Essen hatte Haltern am See zum Ziel und eine Ausstellung im dortigen Römermuseum mit dem Titel „Luxus und Dekadenz“. Dass ich so schnell den heutigen Luxus und die dazugehörige Dekadenz im kommunistischen China erleben würde, hätte ich nicht gedacht.

Manches ist hier wirklich einfach nur noch dekadent. In dem Stadtgebiet Pekings, in dem wir wohnen, werden derzeit spektakuläre Hochhäuser gebaut und unzählige Bauarbeiter, wahrscheinlich auch sehr viele Wanderarbeiter, sind damit Tag und Nacht beschäftigt. Sie wohnen in Zelten oder Containern am Rande der Baustellen. Man sieht ihnen an, dass sie es nicht leicht haben in ihrem Leben. Mager, schmutzig, müde sehen sie aus.

In den bereits fertiggestellten Hochhäusern daneben aber herrscht der reinste Luxus. In den „China World“-Hochhäusern, die mit dem höchsten Haus Pekings gerade den dritten Komplex dazugestellt bekommen, kann man an Shops von Lagerfeld, Prada, Gucci, Dior, Chanel, Cartier etcpp vorbeiwandeln und sich fragen, wer das Zeug kaufen soll. Anscheinend gibt es aber Kundschaft, wenn ich auch keine gesehen habe.

Zu Sylvester war Klaus zu einem Abschiedsessen eingeladen – im „Goldenen Jaguar“, einem Büffet-Restaurant riesigen Ausmasses im obersten Stockwerk von „The Place“, dem Komplex mit der Riesendachleinwand. Hier kann man essen, was und so viel das Herz begehrt: chinesisch, japanisch, indisch, koreanisch, … und auch europäisch. Da liegen die Austern neben den Sushispezialitäten und warten darauf, ausgewählt zu werden. Sicherlich hundert Köche und Bedienpersonal erfüllen der Kundschaft alle Wünsche. Während draußen die Arbeiter den Henkelmann mit Reis gefüllt bekommen und so mancher Bettler um einen Kuai (= 10 Cent) bittet, häuft man sich hier zehn Austern, rohen Thunfisch in Mengen und mir völlig unbekannte Spezialitäten auf den großen Teller.

Ich frage mich immer wieder: wie schafft es eine Gesellschaft nur, diese Extreme auszuhalten und friedlich miteinander zu leben.

Aber bei unseren Besichtigungstouren sehen wir natürlich auch den Luxus der Kaiserzeit und auch damals gab es Arme („Arme werdet ihr immer bei euch haben“). Wir bestaunen die Relikte der Vergangenheit und wissen um den Lauf der Geschichte.

Wo führt der Luxus hin, den auch wir manchmal mitgenießen?

Eigentlich aber genießen wir vielmehr die heißen – leider manchmal auch schon lausig kalten – gerösteten Kastanien und das aufgespießte und kandierte Obst der Straßenverkäufer. Und die kleinen Shops in der sogenannten „Ladies-Street“, in denen die Verkäuferinnen keine Langeweile haben, weil sie mit den Kunden um die Preise feilschen und schnell mal etwas ausbessern, wenn ein Knopf abfällt oder so, sind uns tausendmal lieber als Armani und Co.

Essen und trinken

Im Chinesisch-Unterricht lernen wir zur Zeit, was man im Restaurant sagen muss, um Platz, Essen und hinterher eine Rechnung zu bekommen. Als nächstes werden wir die Essenszubereitung lernen. Lebensmittel einkaufen können wir auch schon. Dabei stellen die uns bekannten Gerichte und Lebensmittel nicht das große Problem dar, aber wie merkt man sich Vokabeln, zu denen man kein deutsches Pendant hat? Hier gibt es Obstsorten, die kennt man bei uns nicht. Sie sind auch nicht so lecker oder haltbar, dass sie exportiert werden könnten. Aber ihre Namen wollen einfach nicht in meinem Kopf bleiben. In Peking isst man gerne eine Art Teigkugel, in die entweder Fleisch oder Gemüse oder Obst oder eine Mischung aus manchem eingerollt ist. Diese Kugeln haben einen Durchmesser von ca 6 cm. Noch traue ich mich nicht recht ran, weil mir der Inhalt nicht deutlich ist. Ganz anders sah es da bei den wunderbaren Spießen aus, die auf den beiden neuen Fotos zu sehen sind. Seepferdchen, Sporpione und Maden waren zu deutlich zu erkennen, als dass mein Hunger mich zu solcher Speise hätte überreden können. Später hörte ich, dass in dieser „Fressgass“ neben Pekings Haupteinkaufsstraße tatsächlich auch Gerichte aus Schlange oder Hund zu bekommen sind.

Berühmt ist die Pekingente. Weil man in China üblicherweise nicht nur ein Gericht ist, gingen wir zu sechst in das Beijing Duck restaurant und begannen zu bestellen. Die Ente (kaoya) und ein Rindfleischgericht, kalten Fisch, grünes Gemüse, ein scharfes Schweinefleischgericht aus Sezuan und Schrimps. Es ist wichtig, die richtige Mischung aus verschiedenen Fleischsorten, warmen und kalten , scharfen und süßen, grünen und roten und hellen und dunklen Gerichten zusammenzustellen. Dazu ausnahmsweise Reis – den lässt man eher weg, weil er nur anzeigt, dass man von allem anderen nicht satt wird, aber er neutralisiert manchmal sehr gut. Die Pekingente wird nur mit ihren besten Teilen serviert, dabei sind knusprige Haut und gutes Fleisch voneinder getrennt. Man packt sich kleine Stückchen von beidem zusammen mit etwas Gemüse oder Rohkost in eine hauchdünne Teigtasche, die man mundgerecht zusammenfaltet und dann isst. Vom Rest der Ente wurde eine Suppe zubereitet, die man hier erst nach den festeren Speisen schlürft. Alle Gerichte werden auf eine sich drehende Mittelplatte gestellt und jeder kann sich mit seinen Stäbchen von allem nehmen. Die Schale Reis, ein kleiner Teller für eventuelle Abfälle und ein kleiner Teller zum Unterhalten stehen vor jedem, außerdem Tee, Jasmin oder Grüner oder…, ein Rotwein vom „Greatwall“ Jahrgang 96 oder älter, am Anfang noch eine warme Kompresse. Die Serviette bekommt man vom Ober auf den Schoß gelegt und auch ansonsten guckt immer mal wieder jemand vorbei, ob saubere Teller nötig sind oder sonst etwas gebraucht wird. Die Herren legen Jacken und Krawatten ab – sie könnten ja schmutzig werden, außerdem ist es recht warm im „separee“, denn der Chinese isst gern allein mit seinen Gästen. Es wird geschlürft und mit vollem Mund gesprochen und gelacht, geschmatzt und was nicht in den Magen soll, wird wieder ausgespuckt, so auch die Kerne der ganz kleinen Mandarinen, die hier mit Schale gegessen werden und fürchterlich viele Kerne haben. Auf sie kann ich gut verzichten, genauso wie auf manche andere Frucht, die doch mit wenig Geschmack oder manchmal auch mit sehr wenig Fruchtfleisch daherkommt. Das Obst gehört zum Nachtischmenu genauso wie die Rotbohnenpaste mit Schokoladenmasse etc. Satt wird man auf jeden Fall – auch wenn das eine oder andere Gericht nicht so ganz den eigenen Geschmack trifft. So konnte der Fisch mich nicht überzeugen, genauso wenig wie vor einigen Woche eine Qualle, die ich in Unkenntnis ihrer Identität anbiss und tatsächlich schnellstmöglich wieder aus meinem Mund entfernte. Sie gehört zu den sehr beliebten chinesischen Spezialitäten. Nicht zu meinen! Dagegen schmeckt allerdings manches sehr gut, was hier an den Straßenecken und Kiosken verkauft wird. Man sollte nur nicht unbedingt Fettgebratenes zu sich nehmen. Im Übrigen essen Chinesen dreimal täglich warm, sehr viele offensichtlich in Kantinen, Restaurants oder an der Straßenecke und nicht zuhause, das Essen ist sehr günstig zu bekommen, aber manchmal steckt halt auch ein Schweineohr oder ein Hühnerfuß im Gemüsetopf. Wir müssen also nicht nur die Worte, sondern auch die inhalte sehr genau lernen.

Nikolaus in Peking

Am ersten Adventsamstag hat mir der Nikolaus Nüsse geschenkt – mitten in Peking. Doch, er ist bis hierhin gekommen und sprach mit recht schwäbischen Akzent! Heute war er bestimmt in Deutschland, denn es war nichts drin in meinen Stiefeln. Schokolade kostet hier ja schon das Dreifache und an deutscher Schokolade habe ich bisher ausschließlich Ritter Sport gesehen, wie sollten da Schokoladennikoläuse etc. bis hierher gelangen. Nun – wir haben trotzdem welche gefunden ( Nikolaus sieht wie ein alter Chinese zu Pferde aus), ebenfalls am letzten Samstag, als wir beim Weihnachtsmarkt auf dem Gelände der Deutschen Botschaft mitarbeiteten. Dort gab es auch richtige Adventskränze, handgebunden und mit roten Kerzen bestückt, angeboten wurden VW-Currywurst und Siemens-Glühwein, Schwein am Spieß und Weissbier, Tchibokaffee und Brezeln…., der große Unterschied zum deutschen Weihnachtsmarkt war der abgezählte Einlass nur gegen Passvorlage.

Ja, ich hatte doch gedacht, in China kommt man um den Weihnachtsrummel herum, aber denkste! Auch hier gibt es mittlerweile weihnachtlich geschmückte Shoppingmalls und selbst im Beijing Friendship Store, das staatliche Geschäft für den Touristenbedarf, kann man Christbaumkugeln erstehen, wenn auch sehr chinesisch angehaucht. Aber das macht dann ja auch den besonderen Reiz aus. Ich vermute, dass der einfache Chinese nicht weiß, was das ganze soll.

Nebenan, bei „The Place“ haben sie unter die riesige Open-air-Bildschirmdecke eine Tannenbaumkonstruktion aus Bambusstangen und viel Plastikgrün erbaut, die nun mit Lichterketten und goldenen Kugeln ca 20 m hoch dem Wal entgegenleuchtet, der immer über die Decke schwimmt. Das muss man einfach gesehen haben! Jeden Abend stehen staunende Menschen dort, fotografieren und filmen um die Wette, weil es wirklich unglaublich ausschaut. Dazu gibt es nette Musik, leider aber wie überall auch eisige Temperaturen und heute noch manche heftige Windböe.

Ja, die Temperaturen sind mittlerweile unter die Null Grad Grenze gefallen, es ist staubtrocken, die Sonne scheint täglich kräftig und der Wind nimmt zu. Ohne Schal aus dem Haus zu gehen ist fatal, denn dann kann man sich Mund und Nase nicht gescheit zuhalten, und das tut not. Deshalb laufen und radeln so viele Chinesen mit Mundschutz rum. Sieht zwar doof aus, ist aber praktisch! Mir hat es heute die schwere Schultasche von der Schulter geweht und dem Lastradfahrer neben mir wehten die großen 15 Liter Wasserbehälter vom Rad. -Ich weiß, der kommt euch seltsam vor, aber der gehört zu einem anderen Thema.- Das wirklich unangenehme bei diesen Windböen ist der Sand, den sie mit sich führen. Direkt aus der Wüste Gobi gelangt er so im Winter nach Peking und findet durch alle Ritzen hindurch in den Mund und die Augen und die Autos und die Wohnungen …Da wäre Schnee eine schöne Abwechslung, aber den soll es hier nur sehr selten geben, auch Glatteis findet man nur da, wo Putzwasser vergossen wurde.

Feuchter ist es dafür auf der Südhalbkugel. Klaus ist gestern in den australischen Sommer geflogen und hat in Sidney nasse Füße bekommen, weil es fürchterlich geregnet hat – bei angenehmen Temperaturen. Da weiß ich auch nicht, was besser ist: eisiger Sandsturm oder heißer Wolkenbruch. Vielleicht ein warmer deutscher Dezember?

Menschliche Bedürfnisse

Einen wunderschönen Tag verbrachten wir an zwei heiligen Orten. Zunächst waren wir in der Erinnerungsstätte für Konfuzius, der von manchen Menschen mindestens als großer Weiser, wenn nicht wie ein Halbgott verehrt wird. Eine klassische Anlage mit tempelähnlichen Hallen bietet die Möglichkeit, das Leben und Wirken des Konfuzius zu studieren und dabei auch noch Musik, live gespielt auf alten chinesischen Instrumenten, zu hören. All das bei schönstem Wetter im Spätherbst. Gleich nebenan ist auch noch die alte Akademie zu bewundern, ein ehemaliger Palast, der aus Traditionsgründen zu einer Akademie umgewandelt wurde. Danach spazierten wir durch eine schmale Allee zum Lamatempel, vorbei an zahlreichen kleinen Geschäften mit Räucherstäbchen ohne Ende und Buddhafiguren in allen Varianten. Die Geschäfte bilden die Außenfront eines großen Hutongs, das sind die alten Wohnanlagen Pekings, die leider zur Zeit zuhauf abgerissen werden. Wir bekommen Sighseeinghilfen, Rikschas, Ansichtskarten – an sich schwer zu finden – angeboten und müssen uns ständig der sehr aufdringlichen Händler erwehren, doch der Weg ist nicht weit und der Tempel schnell erreicht. Für ein kleines Entgelt werden wir in die Tempelanlage eingelassen und – wir hätten es uns ja denken können – stehen in Rauchschwaden. Ein guter Buddhist, und hier gibt es davon viele, opfert seinem Buddha, Gott sei Dank im Freien (da könnte ich sogar Weihrauch vertragen). Jede Tempelhalle besitzt also vor dem Eingang mindestens ein großes Räuchergefäß, zudem gibt es Gebetsrollen und im Inneren jeder Halle die verschiedenen, wirklich sehr verschiedenen Buddhafiguren. Einen sehr dicken sehr lachenden Buddha, ausgesprochen erhabene Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und einen Buddha, bei dem ausnahmsweise das Fotographieren nicht verboten war, der sechs Meter groß war. Da ist mein Versuch, Charlie und Buddha auf ein Bild zu bekommen gründlich misslungen. Ihre Mütze ( chin: maozi) am unteren Bildrand korrespondiert mit dem Bauchnabel des Buddha am oberen Bildrand.

Nun aber reizten uns doch die Kioske mit ihren Getränken etc. und wir setzten uns mit ganz unbuddhistischer kele (= Cola) auf eine Bank in die Sonne, wohl wissend, dass wir bald nach Hause fahren würden. Denn trinken ist gefährlich, weil die Toilettenfrage hier ein Problem darstellt. Im Allgemeinen wünsche ich mir ja nicht Mann zu sein, aber wenn man mal eben aufs Klo muss, wäre das hier doch sehr von Vorteil. Bei Tempelanlagen sind wir vorgewarnt, die Verbotene Stadt war ein lehrreicher Versuch. Aber auch heute, in der Haupteinkaufsstraße Pekings hatten wir wieder ähnliche Probleme.

Wir dachten: Maidanglao wird uns retten, aber von wegen, der erste McDonald hatte keine Toiletten, da er in eine Mall integriert war und diese gerade eröffnete feinste Einkaufsmall glänzte mit vielen leider chinesischen Toiletten. Wir zogen unverrichteter Dinge ab. Bis zur nächsten Mall, sehr amerikanisch aufgemacht, so erhofften wir einen gewissen Standart, aber weit gefehlt, wieder das gleiche: Loch an Loch, nicht sehr sauber, gar nicht einladend und ein Balanceakt, den wir nicht durchzuführen gewillt waren, wäre vonnöten gewesen, hinter Türen, die mehr preisgeben als verschließen..

Ein McDonald blieb uns noch. Ein Versuch war’s auf jeden Fall wert. Auf der Damentoilette warteten mehrere Chinesinnen, aber eine Tür stand offen. Also guckten wir hinein und siehe da: eine normale Toilette mit allem Komfort. Die wird von Chinesinnen keines Blickes gewürdigt, wir aber konnten unsere menschlichen Bedürfnisse befriedigen. Manchmal ist chinesisch doch sehr unverständlich und schwierig – dabei hat es dann noch nicht mal mit sprechen oder essen zu tun.

Suchbild im Aufzug?

Ja, habt ihr denn nichts anderes zu zeigen als Fotos im Aufzug? Die Frage scheint berechtigt, und wir sind auch schon dabei, eine Ansichtskartenserie für SightseeingfreundInnen zusammenzustellen, aber das Foto soll eigentlich nur Überleitung zur Frage sein: wo wohnt ihr denn nun in diesem Hochhaus? Tja, wer genau hingeguckt hat ins Liftfoto, konnte erkennen, das bestimmte Stockwerke einfach fehlen. Das 13. fehlt – westliche Unglückszahl – da will ja doch keiner wohnen. das 4., 14., 24. und 34. Stockwerk fehlen, denn die 4 heißt auf chinesisch genauso wie der Tod, – da will auch keiner wohnen. Und so wohnen wir, ich hab es auch von außen überprüft, nicht im 19. sondern nur im 15. Stockwerk. Aber das reicht auch für den großzügigen Überblick.

Wegen dieser Todeszahl 4 scheint es auch zumeist Hochhäuser mit weniger als 40 Etagen, bzw. um die 35 tatsächliche Stockwerke hier zu geben. Unsere Telefonnummern sind natürlich auch frei von vieren, unser Autokennzeichen auch. Nur die armen Taxifahrer haben meist mindestens eine 4 im Kennzeichen. Ja, und wenn es ein Zahlenvergeber besonders gut mit einem meint, dann bekommt man viele sechsen, siebenen und achten, denn das sind die Glückszahlen in China – nun, vielleicht helfen die ja beim Knacken des Jackpots im deutschen Lottoblock.

Übrigens, von wegen der Beschwerde über die wenigen Fotos: ich höre immer, so viele Menschen würden diesen Blog lesen, ja, wo bleiben denn dann die Kommentare? Irgendwie kommen die schon über, versucht es doch mal!

Heute Nachmittag pilgern wir bei schönstem Sonnenschein zum Konfuzius-Schrein. Da gibt es bestimmt Bildmotive.

Diwidi?

Charlotte und ich gehen gerne einkaufen, auf der Suche nach leckerem Brot oder ungesüsstem Joghurt ging schon so manche Stunde drauf, doch es hat sich gelohnt. Mittlerweile wissen wir, wo wir was einkaufen können. Das meiste bekommen wir sogar im Tante Emma Laden um die Ecke und beim Bäcker gegenüber, dem mit den bunt geringelt behosten Backgehilfen. Dort gibt es sogar Croissants, die richtig gut sind, besser als das „Landbrot“. Wenn wir etwas weiter fahren, besser gesagt, uns fahren lassen, -selber fahren wäre hier unmöglich -, können wir sogar frisches deutsches Brot kaufen und auch richtig gutschmeckende Wurst bekommen. Ich bin zwar sehr für ortsnahe Herstellung der Waren, chinesischer Kaffee, Joghurt oder auch chinesisches Bier sind prima, aber die Wurst schmeckt mir einfach nicht. Da esse ich lieber Käse, Butter, Gemüse…

Aber Lebensmittel sind ja nicht alles, was das weibliche Herz begehrt. Shoppen gehen bezieht sich vor allem auf Kleidung – ein weiterer Kleiderschrank wäre dann auch mal dran, wir hatten so viele Wandschränke in Essen, die wir leider nicht mitnehmen konnten. Der „Geheimtip“ der ersten Tage hieß „Silkroad“, was allerdings keine Straße ist, sondern ein siebenstöckiges Gebäude, in dem alle ehemaligen Straßenhändler und die Seidenverkäufer und Schneiderwerkstätten Platz gefunden haben. Nähert man sich diesem Gebäude, so beginnt schon weit vorher der Run auf den Kunden. „Nice socks, boss“ „watch, good price, gucci“ und unendlich oft: „diwidi“. Wir würden in Socken, Armbanduhren und vor allem DVDs ersticken, hätten wir uns von den sehr anhänglichen Verkäufern auch nur ab und an bequatschen lassen.

Wir haben uns aber nicht ablenken lassen und sind zielstrebig in die Silkroad eingebogen. Reisebusladungen von amerikanischen Langnasen stürmten das Gebäude, dem, den Düften , die aus den Klimaanlagen herausdrangen, nach zu urteilen, offensichtlich nichts Menschliches fremd ist. Ein Minishop reiht sich hier an den anderen, ca 5 qm groß, voll mit bestimmter Ware (Lederjacken oder T-Shirts oder Winterjacken oder Unterwäsche oder…) und jeweils von mindestens ein bis zwei VerkäuferInnen angepriesen.

Wehe dir, du zeigst Interesse! Am besten guckst du gar nicht hin, und wenn du doch mal ein Auge drauf werfen willst, solltest du nicht atmen und flotten Schrittes weiter gehen, ansonsten haben sie dich beim Wickel: sie halten dich wirklich fest, das Kleidungsstück deiner Wahl wird anprobiert, auch wenn du gar nicht willst, und dann hörst du einen Markennamen und einen „good price“, der viel zu hoch ist. Er wird sofort auf die Hälfte gesenkt. Aber das ist für gefakte Ware immer noch viel zu hoch und du zeigst dein Desinteresse. Zwei weitere Verkäuferinnen kommen hinzu. Zu viert machen sie den nächsten guten Preis, es geht weiter bergab, sie halten dir den Calculator hin und du sollst deinen Wunschpreis eintippen. Schreib am besten gar nichts, oder 1Yuan. Sie werden empört sein, aber nicht locker lassen, und weiter runter gehen auf ein Zehntel des Ursprungspreises, trotzdem wird es noch zu teuer sein. Außerdem gefällt dir die Jacke ja gar nicht, das Leder riecht auch streng und du denkst an unzulässige Gerbstoffe, aber wie kommst du raus? Eigentlich hast du keine Chance. Sie halten dich zu viert fest, verfolgen dich durch die Gänge, bekommen noch weiteren Verkäuferbeistand und selbst die Rolltreppe ist noch keine Rettung. Völlig fertig hatten wir nach dem ersten Besuch der Silk Road beschlossen: Nie wieder! aber das haben wir natürlich nicht eingehalten. Wir sind mittlerweile bis ins oberste – angenehmere Schmuck- und Seiden- Stockwerk gelangt, haben andere um ihr Leben laufen gesehen und immer noch nichts dort gekauft.

Stattdessen wissen wir jetzt, wo man angenehmer einkaufen kann, ebenfalls sehr günstig, auch zum Handeln, aber ohne angelangt zu werden und in freundlicher chinesischer Kunden- und Verkäuferinnen-Gesellschaft. Leider müssen wir dazu wieder ins Auto steigen. Und dann passiert es immer noch: Nichtsahnend sitzt man auf dem Beifahrersitz, die Ampel zeigt rot und Driver Ma bleibt tatsächlich stehen, weil er geradeaus rüber muss, da klopft es an die Fensterscheibe und ein junger Mann hält einem etwas hin und ruft „diwidi“ !

Bei Klaus piept’s

Während ich gemütlich lese, höre ich es ständig piepsen. Dann summt es und brummt es von weiten, es piepst, alles ist wieder still, es piepst, es rauscht, das Piepsen kommt näher, es rauscht hinter mir und mein Mann steht im Zimmer mit einer kleinen beigen Kiste mit Knöpfen. Ach, die hab ich schon mal gesehen, beim Einzug wurde mir ein großes rotes Paket mit vielen hellen Fernbedienungen übergeben. Unsere Maklerin Ivy sagte nur: Forget it, und das hab ich getan, hab sie in einen der vielen Küchenunterschränke gepackt und nicht mehr an sie gedacht. Nicht aber so Klaus. Jetzt, da es abends doch etwas schattiger wird, sorgt sich der Mann um unser Wohlgefühl und lässt in seinem Managerdasein den Physiker aufblitzen: es wird experimentiert, am liebsten mit elektronischen Anlagen. Schade, dass keine Drähte dran sind.

Nun, er hat ja recht, ein bisschen Wärme daheim wäre angebracht. Tagsüber ist es zwar meistens noch sehr angenehm draußen, so ca 12-16 Grad, aber morgens und abends könnte die Heizung an sein, könnte, war sie aber nicht, denn der weise Rat der Stadt Peking hat beschlossen, dass die Heizperiode erst am 15. November beginnt, vorher muss man sich anders behelfen, zum Beispiel durch die Lüftung, die auch auf Warmluft gestellt werden kann. Wer hat, der hat. Wer nicht hat, der zieht sich warm an. Nun, irgendwas muss gestern passiert sein, auf jeden Fall war – hurra! – abends die Heizung an. Leider stellten wir heute morgen fest, dass wohl nicht jedes Ventil seinen Dienst tut. Nun, heute scheint wieder die Sonne, es ist strahlend blauer Himmel und unten im Park machen die ersten ihre Taichi Übungen. Die Gingkobäume strahlen mit herbstlichen gelben Laub und ich werde mich in den Alltag stürzen.

Das heißt: abwaschen, denn die Superküche hat keine Geschirrspülmaschine, Wäsche in die Waschmaschine stecken – in der Hoffnung, das richtige Programm gewählt zu haben, denn unsere Siemens-Waschmaschine ist ausschließlich mit chinesischen Schriftzeichen versehen – und anschließend alles nacheinander in den Trockner – so was hab ich noch nie besessen, es gab ja immer einen Garten oder Trockenkeller – ebenfalls in der Hoffnung, dass die Intuition beim chinesische Maschinen-Benutzen hilft.

Nach der Hausarbeit geht’s raus, zum Unterricht. Mittlerweile sind die Straßen dann auch gut gefüllt mit immer mehr Autos – zumeist dauerhupende Taxen, sehr günstig! – und Fahrrädern – meistens alt, ohne Licht und Klingeln, und Elektromopeds, schnell und unhörbar. Sie alle versuchen, jede Lücke zu nutzen und möglichst immer rechts abzubiegen, denn das darf man immer, egal, was die Ampel zeigt oder wer sich da in den Weg begibt. Das dickste Auto hat Vorfahrt, die Fußgänger kommen zuletzt dran und werden von rote Fähnchen schwingenden Verkehrshilfspolizisten zurückgehalten, bis sie es wagen dürfen, über die Straße zu gelangen. Dabei sollte man den Blick ständig nach links halten, denn von dort kommt die Gefahr in Form der oben beschriebenen Dauerhuper. Nach mehr als einem Monat Peking bin ich an die Geräuschkulisse gewwöhnt. Da macht es kaum noch was, wenn es hier mal piepst.