Erdbeben

Wir erleben hier viel Neues. Aber das hätte uns allen erspart bleiben können! Am Montag, ca Viertel vor Drei nachmittags, saßen Charlotte und ich friedlich am Esstisch, als ich das Gefühl bekam, meine Beine würden ganz wackelig. Charlotte fragte gleichzeitig ziemlich irritiert, warum die Lampe über uns denn so hin und her wackelt. Uns beiden wurde klar: das ist ein Erdbeben. Die Beine wurden noch weicher, die Lampen schwangen eifrig hin und her und wir suchten die Nähe unserer Wände, wie wir es einmal geraten bekommen hatten. Immerhin ist China ein stark Erdbeben-gefährdetes Gebiet. Zwei sehr lange Minuten dauerte es, bis die Schwingungen offensichtlich geringer wurden. Wir zogen uns Schuhe an, nahmen Papiere und Schlüssel mit – beim nächsten Mal (hoffentlich nie wieder) denken wir auch an Essen und Trinken! – und machten uns auf den langen Weg durchs Treppenhaus nach unten. Wir waren nicht allein unterwegs. Von überall hörten wir Stimmen der Menschen, die mit uns diesen swingenden Block verlassen wollten. Unten angekommen, teilten wir der Security unsere Erfahrung mit – sie hatten nichts gemerkt. Doch im Cafe gegenüber – einem einstöckigen Gebäude, konnten wir uns erholen und wieder zur Ruhe kommen.

Doch die war schnell wieder vorbei, als wir erfuhren, wie schlimm das Erdbeben im Epizentrum tatsächlich war. Als Klaus vor einigen Wochen in Chengdu war, flog er zweieinhalb Stunden von Peking dorthin. Es ist also wirklich weit weg. Und doch haben wir noch so massiv miterlebt, was dort Fürchterliches geschehen ist. Täglich wird deutlicher, wie viele Menschen umgekommen sind oder noch verschüttet sind. Wir haben die Straßenverhältnisse von Bergdorf zu Bergdorf in Yunnan im Sinn, wenn wir von den Problemen hören, die die Helfer zur Zeit haben, um überall hin zu kommen. Was muss alles transportiert werden, was brauchen Menschen jetzt alles in ihrer Not, ganz abgesehen von dem Trost, den man braucht, wenn man solche Erfahrungen macht. Ich weiß, welche Panik wir schon hatten, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es mir dort gegangen wäre. Zur Zeit überlegen wir, wie wir helfen können.

Der Lärm asiatischer Städte…

… sei enorm, hörte ich neulich im Radio. Das ist bestimmt so, auch wenn man’s manchmal gar nicht mehr merkt. „Könnt ihr mal eure Stimmen wieder runterfahren?“ rief Charlotte uns zu, während wir versuchten, die Straße zu überqueren. Heftig diskutierend waren wir an einer Abrissbaustelle vorbeigelaufen, auf der mehrere Abrissbagger gleichzeitig auf eine große Bauruine einhämmerten. Die Wände der Hochhäuser drumherum hatten den Schall zudem noch gut zurückgeworfen. Und nun wurde auf der völlig überfüllten Straße wieder gehupt, um irgendwie an dieser Kreuzung, wo nichts mehr ging, durchzukommen. Wie gut, dass wir ins Botschaftsviertel abbogen, die Straßen wurden schmaler, der Verkehr ruhiger. Auf einmal hör ich eine Stimme hinter mir. Laut, sehr laut, brüllt da einer. Nein, keiner der chinesischen Wachsoldaten, die aufpassen, dass keine armen Nordkoreaner irgendeine westliche Botschaft stürmen, gibt Befehle aus. Ein Chinese telefoniert offensichtlich mit Zuhause oder seinem besten Freund. Wer so laut schreit, hat nur die Allerliebsten am Apparat, oder aber: es ist ein Ferngespräch. Da muss man doch schreien – wenn es so weit schallen muss! Ich verstehe ja kaum was, aber alle anderen Chinesen bekommen bestimmt genau mit, was ihm auf dem Herzen liegt.

Wieder zu Hause angekommen, höre ich „White Christmas“ von unten heraufklingen, gleich gefolgt von „Jingle bells“. Ich dachte, es ist Ende April, nicht Dezember. Also guck ich mal raus. Aha, da versammeln sich mal wieder alle Arbeiter der Baustellen von gegenüber. Die wissen bei diesen Tönen offensichtlich ganz genau, dass sie zum Appell anzutreten haben. An die hundert Männer der Tagschicht mit ihren gelben Helmen stehen bestimmt da. Die Baustellenmannschaften arbeiten rund um die Uhr, sieben Tage lang. In der Nacht zeichnen sie sich durch besondere Lautstärke aus, denn dann – und nur dann – dürfen die großen LKWs in die Innenstadt. Und das heißt: in der Nacht wird abgeladen und aufgeladen, was das Zeug hält. Neulich nachts haben sie Bauzäune aus Blech verladen, stundenlang, ich hab’s genau mitbekommen. Und heute Nacht meinte unter anderem einer, er müsste seine ganz besonders laute und mehrtönige Hupe vorführen, auch das war nicht zu überhören.

Vor einigen Tagen drangen auf einmal ganz neue Töne zu uns rauf. Klaus und ich guckten gen Himmel raus, denn es klang, als wollte ein Hubschrauber landen oder auch zwei oder drei…. Doch in der Luft war nichts zu sehen. Stattdessen liefen enorm viele orangebejackte Männer auf den Rasenflächen des Parks vor unseren Häusern herum – es war schon dunkel, aber wir hatten die Erklärung: die mähen den Rasen. Ein bisschen spät – bei schlechter Sicht – sehr laut. Nun ja, um halb zehn stellten sie die Arbeit ein. Am nächsten Morgen fiel ich fast aus dem Bett. Die Helikopter waren wieder da – 5.30 Uhr! Etwas später wurde auch ich laut – im Büro des Managements.

Nachmittags um 2 hörte ich dann auf einmal Krach auf dem Flur. Viele Stimmen durcheinander. Dann erscholl auch unsere Klingel: Einmal drücken – viermal Sturmgeklingel. Ich lugte vorsichtig raus. Uniformen waren zu sehen. Ach ja, die Polizei. Die war vor einer Woche schon mal da, abends um 9. Sie kontrolliert, ob wir unsere Wohnregistraturscheine noch haben, die sie selbst ausgestellt haben. Wir haben sie. Jetzt hab ich den Ordner auch direkt im Griff und stell ihn nicht weit weg, wer weiß, wann sie wieder kommen – aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Der Nachbar hatte sich offensichtlich über den doppelten Besuch etwas lautstärker aufgeregt. Ich bleibe ruhig.

Abends um sieben ist irgendwo hier in der Nähe immer Appell. Gesehen habe ich diese Massen noch nie, aber laute Parolen können sie gemeinsam skandieren, als probten sie für die Großdemonstration, vielleicht sind sie ja am 1. Mai damit bei der großen Parade aufgetreten. Wir haben nichts gesehen davon, denn wir waren endlich auf der Großen Mauer. Da war es ruhiger, nur die T-Shirtverkäufer priesen lautstark ihre Ware mit dem Aufdruck: „I climbed the Great Wall“ an. Two shirts one dollar – standen sie mitten vor einem, sodass man nicht weiter kam. Und als wir uns tatsächlich interessiert zeigten, holten sie schnell die „better quality“ heraus und wollten 60 Yuan für ein T-Shirt. Als wir uns dankend den Weg freimachten, wurden sie noch lauter, ach ja, ich fühlte mich schon wieder wie in Peking im Silkmarket. Am Abend, zurück vom kombinierten Himmeltags- und 1.Mai Ausflug, setzten wir uns für die letzte Wegstrecke in ein Taxi. Der Fahrer hörte Radio. Lustige Geschichten waren dran, in voller Lautstärke, draußen hupte es von allen Seiten und der Feiertagsabendverkehr war auf seinem Höhepunkt. Wir waren wieder „daheim“ – alles ganz normal.

Meine Bodyguards

Auch in Peking will man als 19-jährige natürlich manchmal in eine Disco gehen. So bin ich am Montag, dem 11.4.2008 mit meinen Freunden aus dem Blenz-Cafe um 22.00 Uhr zum Banana Club gegangen.
Als wir dort ankamen, merkte ich schon, dass es vermutlich eine lange Nacht werden wird, da diese Disco riesengroß und einfach klasse ist. Dazu war es noch rappelvoll und wir wussten erstmal gar nicht, wo wir noch hin konnten. Doch dann sind wir mitten auf die Tanzfläche gekommen.
Nach 75 Minuten tanzen mit fünf Jungs, die jeden Annäherungsversuch eeines anderen abwehrten, brauchte ich mal ne Pause und bin zur Toilette gegangen. Doch nicht alleine, nein, alle fünf Jungs kamen mit bis vor die Tür und passten auf, dass mich keiner belästigte. Das ging dann auch den ganzen Abend so weiter. Ich konnte keinen unbewachten Schritt tun.
Um 1.30Uhr bin ich nach Hause gegangen. Aber das natürlich auch wieder nicht ohne Begleitung. – Unterricht und Arbeit am Dienstagmorgen kamen ja auch schon näher. –
Da drei Leute in der Nähe dieser Disco wohnen, haben wir die zuerst zu Hause abgeliefert. Die anderen zwei haben sich anschließend noch ihre Fahrräder geholt und wir sind gemeinsam erstmal bis zur Haupteinfahrt vom Centralpark gefahren. Weil ich nicht auf dem Gepäckträger sitzen wollte, besetzten die Jungen ein Rad und ich versuchte, mit dem zweiten voranzukommen. Niedriger Sattel und allein eine Vorderradbremse, die nur auf starken Druck reagierte, machten die Fahrt ausgesprochen schwierig. Obwohl ich nicht bis zum Towereingang begleitet wurde, bin ich unter dem Schutz der Security doch noch gut nach Hause gekommen.

qi zixingche – Fahrrad fahren

Ein langes Frühlingswochenende lag vor uns – die Chinesen zelebrierten ihren Totengedenktag passenderweise am Freitag, dem 4.4. ( die 4 ist die Unglückszahl, weil mit ihrer Silbe alle Worte im Zusammenhang mit dem Wort Tod beginnen.) Endlich war die richtige Zeit gekommen, unsere Fahrräder hervorzuholen. Im November, als sie mit allem anderen Seefrachtgut im Wohnzimmer auftauchten, hatten wir sie in den allgemeinen Fahrradkeller gebracht, gut abgeschlossen und uns ihren Standort gemerkt, denn der Keller war überfüllt mit Rädern aller Art. Nun, das wussten wir, würden wir drei verstaubte Räder aus einem unübersichtlichen Gewühl befreien müssen. Doch da, wo sie stehen sollten, waren sie nicht mehr. Nach langer Suche, im gebeugten Zustand – wegen der 160 cm hohen Decke – und trotzdem immer noch in der Gefahr, gegen irgendwelche noch tiefer hängenden Rohre zu stoßen, fanden wir zunächst Charlottes Rad. Verstaubt, aber wohlbehalten. Und bald danach entdeckten wir auch die anderen beiden, sogar nebeneinander stehend. Der freundliche Fahrradkellerwächter und die Dame, die ihm Gesellschaft leistete ( wie das einsilbige chinesische Wort bleibt auch der alleinarbeitende Chinese selten ohne Begleitung), halfen uns tatkräftig, tatsächlich auch unserer Räder habhaft zu werden.

Wir schoben die Räder in den hauseigenen Garten, holten Werkzeug, Luftpumpe und einen Putzeimer und machten Fahrradfrühjahrsputz – zum Erstaunen des chinesischen Personals. Denn, auch wenn die Chinesen ein Volk der Radfahrer sind/waren?, ihre Räder sehen erbärmlich aus. Sie sind nicht nur von schlechter Qualität, vor allem sind sie dreckig und zerbeult. Man fährt breitbeinig, weil der Sattel nicht verstellbar ist, ausgesprochen langsam, weil die Bremsen nicht funktionieren oder auch gar nicht vorhanden sind. Von Lampen, Katzenaugen, Klingeln etc. scheint man hier noch nie etwas gehört zu haben.

Endlich konnte es losgehen. Mit großem Mut schwangen wir uns auf die Räder. Ja, doch, es gibt Fahrradwege – zum Autos drauf parken, zu Fuss lustzuwandeln, zum gegen die Richtung fahren, als Bushalteplatz für gleich mehrere Busse, als Taxiwartestreifen…., und immer muss man sich vorbeimogeln und dabei gut aufpassen, dass nicht gerade in diesem Moment ein Fahrer meint, links rausfahren zu müssen. Denn auf Fahrradfahrer achtet ein stolzer Besitzer eines Motorfahrzeuges nicht.

Die ersten Ampeln konnten wir achtlos überfahren – die Signalfarben sind für Radfahrer uninteressant. Aber dann kamen wir an eine der ganz großen Straßenkreuzungen Pekings. Wir wühlten uns durch die Fußgänger hindurch, suchten nach der Fortsetzung des Radweges unter der Hochstraße (die Hauptstraße verläuft hier auf zwei Ebenen) und spähten sowohl „Grün“ wie auch rasende Rechtsabbieger aus. Die meisten chinesischen Radler waren längst unterwegs, als wir uns trauten, weiter zu fahren, und ein rechtsabbiegendes Taxi zwang mich dann doch noch vom Rad. Aber schon nach wenigen Metern hatte ich alle wieder ein- oder überholt, denn sie schleichen, die Chinesen. Besonders, als es nun zur Kanalbrücke auch noch etwas bergan ging – Peking ist sehr flach. Hinterm Kanal sollte es linksab gehen, zu unserem Ziel, einem großen Markt. Aber – nichts ging mehr. Klaus‘ Hinterrad war platt. Er hatte sich einen Nagel eingefangen.

So schoben wir die Räder zurück über die Brücke bis zu einem Sonnenschirm, unter dem einer der unzähligen Fahrradreparateure dieser Stadt seine Hilfe anbot. Er fand nicht nur das Nagelloch, sondern auch einige poröse Stellen im alten Fahrradschlauch, sodass er uns einen neuen Schlauch verkaufte und montierte. Mit den 50 RMB (5,- €) für seine Dienste war er sehr zufrieden und wir auch. Die Tour konnte weitergehen – ungebremst, denn die Bremse hatte er nicht wieder festmontiert. Nachdem auch das unterwegs noch selbst erledigt wurde, kam der Markt bald in Sicht. Und dort gab es sogar einen beaufsichtigten Fahrradparkplatz – Gebühr: 6 Cent! Nach einem ausgiebigen Marktbesuch – unbeschreiblich! sehr asiatisch- leisteten wir uns noch zwei große Eis ( 55 cent) und machten uns auf den Rückweg, der doch schon schneller und weniger rücksichtsvoll und manchmal auch auf der Gegenfahrbahn verlief.

Charlotte überlegt noch, ob sie wieder aufs Rad steigen will. Ich werde auf jeden Fall weiterhin fahren, aber bevorzugt allein, denn die anderen abbiegen und dabei Taxigeschosse auf sie zuflitzen sehen, ist das anstrengendste beim Fahrrad fahren in Peking.

Chinesische Wertarbeit

Ja, kennst du nicht die chinesische Weisheit: es ist gut, wenn es gerade so passt( nicht 100, sondern 80%)? So fragte eine Bekannte, als ich von all den kleinen Unannehmlichkeiten berichtete, die sich in unserer Wohnung einstellen, nachdem wir gerade mal seit vier Monaten darin wohnen. In der letzten Woche waren die Handwerker da. Und zwar schnell und pünktlich, manchmal sogar überpünktlich oder auch völlig unerwartet. Zunächst wurden die Spiegelbeleuchtungen in den Bädern gerichtet. Diese hatten sich nämlich so weit abgesenkt, dass die Spiegelschränke nicht mehr zu öffnen, bzw. zu schließen waren. Raffiniert fand ich, wie zwei Männer es schafften, über eine Dreiviertelstunde damit zu verbringen, acht Schraublöcher zu verputzen. Drei mal haben sie jeweils zugekleistert und wieder versäubert und zugekleistert und…. Dann war es kurz vor zwölf, und jeder Chinese lässt sein Arbeitsgerät fallen und geht Mittagessen.

Nachmittags kamen die nächsten Handwerker. Einer besah sich die Küchentheke, die einen kräftigen Riss im Putz hatte, darunter, meinte er, sei „shui“. Wo sollte das Wasser nur herkommen? Wahrscheinlich war die Rigipsplatte feucht, als sie eingebaut und zugekleistert wurde. So trocken, wie die Luft hier im Winter ist, kann ich mir nichts anderes vorstellen. Nun, er kratzte unter Aufsicht des „Ingenieurs“ (hauseigener Handwerker) einen größeren Teil des Verputzes ab und meinte, das müsse jetzt erstmal einige Tage trocknen.

Viel erfreuter war der junge Mann, der sich unseres Fußbodens annehmen sollte, als er die Bescherung sah. Unsere Wohnung ist mit Laminatboden ausgestattet. Ein sehr empfindliches Laminat. Es könnte tatsächlich auch Holz sein. Auf jeden Fall ist es geschrumpft und hat zwischen den verlegten Einzelteile deutliche Lücken aufzuweisen. Zudem wellt es sich ein wenig. Nun, ein zweiter, älterer Mann wurde herbeigerufen und dann gingen sie ans Werk: sie klopften alles raus, was die Einzelteile eigentlich zusammenkleben sollte. Ein Riesenlärm! Danach fingen sie an, das Laminat neu einzukleistern und zusammen zu schieben. Dazu mussten sie mit ihrem Werkzeug unter die Fußbodenleisten greifen. Da diese aber nicht abmontierbar sind – wahrscheinlich einfach angeklebt, wurden kurzerhand Löcher in die Leisten gemacht. Am nächsten Tag wurden die Löcher wieder zugeschmiert. Nach entsprechender Trocknungszeit glatt poliert und dann gestrichen. Inzwischen fiel mir auf, dass der Türabsatz unserer Eingangstür verschoben war. Mit großer Mühe kam er wieder an den richtigen Platz und wurde – festgeklebt. Mit dem Zwischenresultat, dass wir vier Stunden Wache schieben durften, weil die Tür solange offen bleiben musste. Eigentlich war das auch gar nicht so schlecht, denn zu der Zeit wurde auch unsere Küchentheke wieder gestrichen, mit einer Farbe, die zum Himmel stank, fast noch schlimmer, als die Autospachtelmasse, die zuvor in den Riss geschmiert wurde. Aber jetzt ist alles wieder in Ordnung, nur an den Fußbodenkanten gibt es so weiße Streifen – teilweise alte Farbe, manchmal auch neue. Die nächsten Macken reparier ich – glaube ich selbst. Im Sommer sollen sich die Türbeschichtungen lösen – angeblich hilft da Pritt und etwas eigener Druck.

Ich habe von einem wunderbaren Hochhausneubau in Peking gehört mit vielen Fenstern und super Leuchteffekten. Wenn allerdings ein Beleuchtungselement kaputtgeht, muss das ganze Fenster ausgebaut werden, dazu braucht es einen Kran und …

Wir kaufen ein Handy (women mai shuouji)

Diese Geschichte ist zwar schon etwas älter, aber meines Erachtens immer noch wert berichtet zu werden.

Charlotte hatte sich ein neues Handy gewünscht und so sind wir an einem Samstag Nachmittag losgegangen, um ein Handy zu kaufen. Anders als in Deutschland gibt es in China zum Abschluss eines Mobiltelefonvertrages kein neues Handy.

Wir wussten schon, wo es ein entsprechendes Geschäft gibt, was dann auch von uns zielstrebig angesteuert wurde. Dort gab es Handys (fast) aller Hersteller und die Auswahl war recht groß. Aber (natürlich) war nicht das dabei, was Charlotte suchte. Also in ein Kaufhaus ganz in der Nähe und dort geschaut. Dort gab es schon eher etwas, was Charlotte gefiel. Aber zur Sicherheit sind wir dann doch noch mal in den Handy-Laden, um das Angebot genau zu prüfen.

Klingt eigentlich wie ein normaler Einkauf oder? Nur dass wir mit unseren begrenzten Chinesisch-Kenntnissen und dem eingeschränkten Englisch-Wissen der VerkäuferInnen kein wirkliches Verkaufsgespräch führen konnten. De Frage, was denn die Handys so können, blieb im wesentlichen unbeantwortet.

Schließlich landeten wir wieder in dem großen Kaufhaus, wo es das Handy gab, das Charlottes Vorstellungen am Besten entsprach. Zunächst musste eine Verkäuferin gefunden werde, die sich auf Englisch mit uns auseinandersetzen konnten. Drei weitere schauten zunehmend interessiert zu (dazu sei erwähnt, dass es in chinesischen Geschäften reichlich Personal gibt, das vielfach rumsteht, manchmal auch schläft, und auf Kunden wartet – Arbeitskraft ist extrem billig in China)

Aus anderen Erlebnissen schlau geworden fragten wir, ob das Handy denn auch eine englische Bedienoberfläche habe (dass es das nicht in Deutsch gab, war uns klar). Und natürlich wurde uns bestätigt, dass Englisch einstellbar sei.

Da wir das aber lieber mit eigenen Augen sehen wollten, wurde eine Verkäuferin losgeschickt, einen geladenen Akku für das Handy zu holen. Das Handy wurde mit dem Akku bestückt, eingeschaltet und die Bedienoberfläche auf Englisch umgestellt. Damit waren wir zufrieden und wollten das Handy nun kaufen. Wie in den meisten chinesischen Geschäften wurde zunächst die Rechnung erstellt – vier Durchschläge -, mit der man zur Kasse muss.

Nachdem ich bezahlt hatte und an den Handy-Stand zurueckkam, traute ich meinen Augen nicht. Vier Verkäufer waren damit beschäftigt, das Handy betriebsfertig zu machen. Uhrzeit und ähnliches wurden eingestellt. Charlottes SIM Karte wurde eingebaut, so dass sie es gleich benutzen konnte und natürlich bekam sie eine Einweisung in die Bedienung. Und ihr wurden alle Features des neuen Gerätes ausführlich gezeigt.

Schließlich sollte noch die Garantiekarte ausgefüllt werden. Der Dialog um Name und Adresse gestaltete sich etwas schwierig, so dass ich schließlich eine (Bayer) Visitenkarte zueckte. Schließlich steht dort auch mein chinesischer Name in chinesischer Schrift. Damit hatte ich vier neue Freunde gewonnen. Nicht nur dass Bayer offensichtlich sehr gut angesehen war, sondern auch dass ich einen chinesischen Namen habe, begeisterte die Schar der Verkäufer. Sie waren auch schon vorher sehr freundlich gewesen, aber nun überschlugen sie sich fast. Und natürlich wurde ich gefragt, ob sie die Visitenkarte behalten dürften. Nach längerem interessierten Palaver, wo wir denn herkommen und was wir in Beijing machen, fand der Einkauf dann doch noch eine Ende.

Auch wenn der Einkauf deutlich länger gedauert hat als ein vergleichbarer in Deutschland, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft kenne ich so nicht aus meiner Heimat (weitere Beispiele folgen).

Drachenfliegen, Bambuswuermer – leeecckkkerrrr !!

Ja. ich habe es getan. Das Unaussprechliche. Ich habe Drachenfliegen (eine Libellenart) und Bambuswuermer gegessen. Natürlich schön frittiert und pikant gewürzt.

Der geneigte Leser dieses Blog möchte es genauer wissen?

Wir waren nach dem Chinesischen Neujahrsfest für einige Tage im Süden Chinas, in Yunnan. Dort wurden wir weitgehend mit lokalen Speisen aus der Provinz verköstigt. Allerdings gibt es im chinesischen Süden eine große Auswahl auch ungewöhnlicher Speisen. Daher verwunderte es nicht, dass eines Mittags auch frittierte Dragonflies und Bambooworms serviert wurden. Nun bin ich ich zwar durchaus neugierig, aber was das Essen betrifft durchaus wählerisch und mit fettem Fleisch z.B. kann man mich jagen.

Jetzt hatte ich aber an diesem Mittag einen netten Mitreisenden neben mir sitzen, der diese kulinarischen Köstlichkeiten kannte und munter verspeiste. Er bemerkte meine Zurückhaltung und wir kamen ins Gespräch. Er erklärte mir – glaubhaft- dass diese Insekten nach dem Frittieren, nur noch knusprig sind und hauptsächlich nach den verwendeten Gewürzen schmecken. So ähnlich wie Kartoffelchips.

Nach kurzer Bedenkzeit habe ich es dann getan und zunächst eine Drachenfliege probiert. Und der freundliche Mensch hatte nicht zuviel versprochen. Sie schmeckten wie beschrieben. Nicht übel, allerdings ist es Nichts um satt zu werden. Nach der positiven Erfahrung habe ich dann auch gleich die Bambuswuermer probiert. Wieder mit dem gleichen Ergebnis – schmeckt gar nicht schlecht und so als kleine Beigabe zum Essen gut zu verwenden.

Henny und Charlotte waren natürlich geschockt: Dass ich das tatsächlich esse und mich gar nicht ekle, und es auch noch lecker finde. Auf mein Angebot doch auch einmal zu probieren, wollten beide nicht eingehen. Ich kann gar nicht verstehen, warum nicht.

Aber natürlich musste das Ganze dokumentiert werden – Fotos finden sich in der Fotogalerie auf der Homepage (leider wegen Schockzustandes verwackelt).

Frühling?

Draußen scheint die Sonne, ein warmes Lüftchen kommt durchs gekippte Fenster rein und im Park wird wieder Fußfederball gespielt – natürlich in Anzug und Kostüm, denn es ist ja nur Mittagspause. Aber Chinesen lieben es, sich zu bewegen und Sport zu treiben – da ist die Kleidung eher nebensächlich.

Das Frühlingsfest hat doch noch ein Ende gefunden. Vom 6. Februar an wurde durchgefeuert bis zum 21., aber jetzt ist endlich wieder Ruhe eingekehrt. Zwischendurch kamen wir uns vor wie im Kriegszustand, die losgelassenen Donnerschläge waren gewaltig und unzählbar. Wir hatten ja große Hoffnungen, dass nach unserem Urlaub in Yunnan Peking wieder zur Ruhe gekommen sein würde, aber die Hoffnung trog.

Dafür war unser erster Chinaurlaub einfach fantastisch. Er begann zwar mit einem Flug, der als „Todesflug“ in die Familienannalen eingehen wird, so schrecklich waren die Turbulenzen, die wir auszuhalten hatten. Uns allen war schlecht und wir haben ganz schön gezittert, selbst noch, als wir hörten, dass diese Turbulenzen für den Anflug auf Lijiang normal seien. Aber der Ort und seine Umgebung machten alles wieder gut. Die riesige Altstadt von Lijiang gehört zum Unesco Weltkulturerbe und hat vor 10 Jahren ein schweres Erdbeben überstanden, während die modernen Viertel von Lijiang dadurch zerstört wurden und viele Menschen zu Tode kamen. Überragt wird Lijiang vom Jadetigerschneeberg, der 3500 m hoch dem Himalaya vorgelagert ist und mit seinem Wasser die unzähligen kleinen Wasserläufe durch die Stadt speist. Im Ort 1.600 m üM herrscht eine Atmosphäre wie Rüdesheim, Heidelberg und Rotenburg auf der Tauber in einem. Die Bevölkerung gehört der Minderheitengruppe der Naxi an. Sie sind ein Bergvolk, dessen Dörfer wir auch besichtigen konnten. Ich kam mir wirklich vor wie in Oberbayern, Trachtengruppe, Volkstanz, Berge und klare tiefe Seen und Schluchten – alles wurde geboten, nur das Essen und das Marihuanakraut, das am Wegesrand wild wucherte, deutete auf Asien hin. Immerhin waren wir im goldenen Dreieck zwischen Laos, Myanmar und Vietnam.

Ein weiterer Flug brachte uns vom Yangtze an den Mekong nach Xishuanbanna, in die Subtropen. Es herrschten beinahe dreißig Grad – im Februar – und wir konnten wilde Elefanten im Urwald besuchen. Auch hier lebt eine ethnische Minderheit, die Dai, die Tee, Reis und Zuckerrohr anbauen. Es gibt Berg- und Wasser-Dai, und wir besuchten ein Dorf der Bergdai, zu dem wir nur auf kleinen geländegängigen Treckern hinauffahren konnten. Mehr als einmal dachte ich, wir kippen um. Im Dorf besuchten wir eine Frau in ihrem Haus. Es stand auf Pfählen, bestand total aus Holz mit Strohdach und im ersten Stock gab es eine offene Feuerstelle in der Mitte des Raumes, die ständig bewacht werden musste. Einrichtungsgegenstände waren rar, dafür war aber die Nachbarschaft zu Besuch. Unten gab es einen Schweine- und einen Hühnerstall, wobei die Schweine tagsüber Auslauf im gesamten Dorf haben. Wirkliche Wege gab es nicht, eher Trampelpfade, die aufgrund der momentanen Trockenzeit auch begehbar waren. Im Dorf gab es eine Tempelanlage, in der kleine Mönche ( 10jährig) – frisch eingezogen – lebten.

– Was wir besonderes aßen und erfuhren kommt im nächsten Bericht –

Auf jeden Fall knallte es noch immer, als wir in Peking landeten, und am 21. Februar gab es nochmals ein Dauerriesenfeuerwerk zur Feier des ersten Frühjahrvollmondes.

Dadi – ich nehme ein Taxi

Taxis gibt es in Peking wie Sand am Meer. Der unglaubliche Straßenverkehr wird von ihnen beherrscht und farblich geprägt: rot-gelb oder grün-gelb überall. Und die Taxifahrer sind eine ganz besondere Klientel: da gibt es jene flotten, wenig gesprächigen, die ihren Gast sicher, allerdings mit viel Gedrängel und ständigem Spurenwechsel von A nach B bringen, aber vor allem gibt es die chaotischen. Vor einiger Zeit machte ein Taxifahrer die ganze Fahrt über besondere Geräusche und hatte eigentlich auch immer nur eine Hand am Steuer. In der anderen bewegte er zwei Walnüsse hin und her, so dass ein gewisser Sound entstand. Das Lenken war zwar manchmal schwer, es ruckelte während der Fahrt und die Bremsen mussten öfters herhalten, aber was soll’s. Zuvor hatten wir schon einmal einen, der ein kleines Computerspielchen während der Fahrt machte. Dafür fuhr er auch besonders langsam. Beliebt ist auch das Lauschen eines lustigen Hörspiels während der Tour oder ständiges Gähnen wegen Übermüdung.

Dann gibt es natürlich die Herrschaften, die einen nicht fahren wollen, weil das Ziel zu weit oder unbekannt oder was weiß ich was ist. Da kann man dann nur aussteigen, oder einer hofft auf ein besonders lukratives Geschäft mit einer Langnase, hat nicht nur sein Radio an, sondern für den Gast auch noch einen Fernseher und steuert erstmal die falsche Richtung an. Wenn solch ein Europäer dann aber zeigt, dass er weiß, wo es lang geht, dann gibt es eine wortreiche Erklärung, warum man dachte, man müsste da lang fahren und nimmt dann doch zerknirscht den kürzesten Weg. Überhaupt sind viele Taxifahrer sehr gesprächig. Gerade heute hatten wir wieder so einen: Ich nenne ihm auf seine Frage mein Ziel und er beginnt ein Gespräch – alles auf Chinesisch. Noch kann ich mithalten, geht es doch nur übers Wetter und die „Sau“-kälte. Aber nun legt er los und ich gerate an meine Grenzen. Er spricht vom Straßenverkehr und der ruhigen Verkehrssituation in diesen Feiertagen. Meine Antwort fällt knapp aus. Er versucht es weiter, aber es klappt nicht. Ich weiß einfach nicht, welches Thema jetzt dran ist. Daraufhin muss er sowieso erst mal die Nase geräuschvoll hochziehen, husten und räuspern, an der Ampel die Autotür öffnen und rausspucken. Er ist doch sehr erkältet und müde ist er auch – das Gähnen will gar nicht wieder aufhören. Wir sind froh, als wir endlich unsere 1,50 € zahlen und aussteigen können. „Der war doch ganz nett und unterhaltsam“, meint Charlie. Sie hat gut reden. Sie saß ja auch nicht neben ihm.

Am besten gefallen hat mir bislang die einzige Taxifahrerin, die ich hier in Beijing erlebt habe. Sie hatte mit uns eine lange Tour bekommen und machte sich ganz anders als ihre Kollegen auf den Weg. Sie fuhr weder hektisch noch drängelnd, aber zügig und, was ich hier noch nie erlebte, vorausschauend und mit Abstand. Als sie einen Stau erspähte, bog sie ab, irgendwie in die Nebenstraßen und brachte uns so schnell und sicher ans Ziel. Ich hatte den Eindruck, zum ersten Mal in einer Taxe zu sitzen, bei der der Fahrer, bzw. die Fahrerin, wusste, wie das Straßennetz Pekings aussieht. Wir erspähten auch eine besondere Auszeichnung für sie auf dem Armaturenbrett.

Mit dem Sehen ist das bei manchen auch so eine Sache. Neulich zog ein Fahrer eine Lupe hervor, um die Adresse auf der Visitenkarte überhaupt lesen zu können. Welche Art von Prüfung macht solch ein Fahrer eigentlich, bevor er auf die Menschheit losgelassen wird? Musste er so wie andere Führerscheinanwärter auch nur auf dem Verkehrsübungsplatz herumfahren und eine theoretische Prüfung ablegen? Gibt es zusätzliche Orientierungsprüfungen? Und was ist mit Sehtest und Eignungsprüfung, Fahr- und Ruhezeiten? Und warum haben manche so eine Art Käfig um sich aufgebaut?

Morgen hat unser Fahrer nicht mehr frei – Gott sei Dank!

China versinkt im Schnee

– ganz China? Nein, eine Hauptstadt im Norden, deshalb heißt sie Bei(Norden) Jing (Hauptstadt) trutzt allen Wetterangriffen. Täglich sehen wir die Schneekatastrophe im Fernsehen, bestaunen und bedauern die reisenden Massen, die in Bahnhöfen stranden und stellen uns vor, wie schrecklich es sein muss, wenn man als Wanderarbeiter nur einmal im Jahr nach Hause reisen kann, und nun irgendwo mit hunderttausend anderen Menschen wartet, ob es weiter geht und ob die Zeit noch reicht, um Heim zu kommen und wieder zurückzureisen. Hinzu kommt sicher noch die Sorge um die Familie, die eventuell ohne Strom bei Eiseskälte zurechtkommen muss. Und wo kommt die Kohle für den Ofen her, wenn Bahn und Straße nicht benutzbar sind? Und wie heizt man in Gegenden, in denen es eigentlich nie wirklich kalt wird, jetzt aber Minusgrade herrschen? Wir bewundern die logistischen Leistungen, die die Helfer vollbringen, wenn sie Menschenmassen in Messehallen und Schulen unterbringen und versorgen.

Aber wir hier im eisigen, aber sonnigen Peking sehen das alles nur im Fernsehen. Wir merken, dass auf den Baustellen allmählich weniger gearbeitet wird und betrachten die vielen Geschenkpakete, die heimgetragen werden. Deutsche Freunde sprechen von dreiwöchiger intensiver „Sylvester“Knallerei und wir freuen uns drauf. Allerdings werden auch wir zwischendurch verreisen – hoffentlich ohne Schneechaos. An den Menschenmassen kommen wir bestimmt nicht einfach so vorbei, aber es muss ja noch anderes geben als dieses strahlende Beijing, dass außer zugefrorenen Seen nur kleine Eisflächen zu bieten hat, weil eifrige Ayis das Putzwasser rausschütten.

Ein Ort, der sich zur Zeit zum Verreisen anbietet, ist Harbin, weit im Norden an der russischen Grenze. Bekannte waren dort und erzählten begeistert von dicksten Daunenjacken, Gesichtsmasken und mehreren Sockenschichten in Moonboots. Dafür kann man eine ganze Stadt aus Eis besuchen und aus Eiskelchen trinken etc.

Wir werden den Süden vorziehen, den sonnigen, warmen Süden. Und wir werden fliegen.